Überraschenderweise zeigt eine neue Studie, dass B-Vitamine nach einer Gefäßerweiterung das Risiko erhöhen können, dass sich die Gefäße wieder neu verschließen. Frühere Untersuchungen hatten nahe gelegt, dass das Gegenteil der Fall ist.
Hohe Konzentrationen des Proteinbestandteils Homocystein gilt als Risikofaktor für Gefäßverengung und Herzinfarkt. Die Einnahme der B-Vitamine B6, B12 und Folsäure senken die Homocysteinwerte. Da scheint es logisch, Patienten mit Gefäßverengung B-Vitamine zu verabreichen, um einer Verschlimmerung vorzubeugen.
In der Tat schien eine frühere Schweizer Studie an Patienten, deren verengte Gefäße durch eine Ballondilation erweitert worden waren, diese Schlussfolgerung zu bestätigen: Mit Vitamin B–Therapie verringerte sich das Risiko, dass sich die Gefäße nach dem Eingriff wieder verengten um 50%.
Nun sind jedoch neue Daten von der University of Pennsylvania, USA, veröffentlicht worden, die in direktem Widerspruch zu den Schweizer Ergebnissen stehen. 636 Patienten, die nach der Gefäßerweiterung eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt bekamen, wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt hohe Dosen der drei B-Vitamine, während der anderen Gruppe nur eine Zuckerpille (Plazebo) verabreicht wurde. Nach sechs Monaten zeigte sich, dass sich die Gefäße der Patienten, die B-Vitamine erhalten hatten, deutlich mehr verengt hatten als in der Gruppe ohne Vitamin-Therapie. 34,5% der Patienten in der Vitamingruppe hatten einen neuerlichen Gefäßverschluss, während diese Komplikation nur bei 26,5% der Patienten in der Plazebogruppe auftrat.
Mögliche Gründe für den überraschenden Widerspruch sind Unterschiede in der Vitamin-Dosis und in den Grunderkrankungen der Studienteilnehmer, so der Herzspezialist Prof. Herrmann in einem Kommentar. Auch die Tatsache, dass nur in der zweiten Studie nach der Gefäßerweiterung ein Stent eingesetzt wurde, könnte eine Rolle spielen, sagte Herrmann.
„Basierend auf [...] dem möglichen Schaden, der in der jetzigen Studie ersichtlich wurde, sollten Patienten, nachdem sie eine Gefäßstütze erhalten haben, Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 nicht routinemäßig verabreicht bekommen“, so Dr. Herrmann. „Wir brauchen mehr Studien, um optimale Dosis, Art und Timing der Verabreichung zu klären und um herauszufinden, welche Untergruppen von Patienten am meisten von dieser Behandlung profitieren könnten.“ (ld)
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