Beiträge für Oktober, 2005

31. Oktober 2005

Was ist Oligotherapie?

Oligotherapie

In der Oligotherapie (Therapie der “kleinen Mengen”. Oligos heisst auf griechisch “wenig”, “klein”) werden kleinste Mengen von Spurenelementen verabreicht, die dem Körper helfen sollen, gestörte Stoffwechselfunktionen wieder zu normalisieren.

Philosophie / Entstehungsgeschichte
Spurenelemente sind chemische Elemente, die in sehr geringen Mengen im Organismus vorkommen (zum Beispiel Aluminium, Mangan oder Zink). Die Spurenelemente werden über die Nahrung und das Trinkwasser aufgenommen. Viele lebensnotwendige Vorgänge im menschlichen Körper werden von Spurenelementen ausgelöst oder beeinflusst. Nimmt man zuwenig Spurenelemente ein, so kann dies zu Mangelerscheinungen oder veränderten Stoffwechselfunktionen führen. Die Oligotherapie wurde anfangs der 40er Jahre von Dr. Jacques Ménétrier und der Firma Labcal entwickelt. Laut den Oligotherapeuten kann die Gabe kleiner Mengen von gewissen Spurenelementen körperliche Reaktionen unterstützen, falls bestimmte Abläufe im Stoffwechsel nicht mehr richtig funktionieren.

Technik der Oligotherapie
Bevor ein Spurenelement zum Einsatz kommt, befragt der Arzt den Patienten gründlich zu all seinen Beschwerden und zu früheren Erkrankungen. Aufgrund der geschilderten Beschwerden entscheidet der Oligotherapeut, welche Spurenelemente geeignet sind. Eine genau bemessene Menge des entsprechenden Spurenelements wird dem Patienten als Lösung unter die Zunge geträufelt. Die Lösung sollte einige Zeit im Mund verbleiben und erst danach geschluckt werden.
Im Unterschied zur Schulmedizin behebt die Oligotherapie nicht einen Mangel an Spurenelementen. Das heisst, dass nicht einfach Elemente “nachgefüllt” werden, die im Organismus fehlen. Vielmehr soll die Zufuhr bestimmter Spurenelemente dem Körper ermöglichen, dass er das mangelnde Element in Zukunft besser aufnehmen kann.

Wie kann die Oligotherapie eingesetzt werden
Mit der Oligotherapie werden vor allem Beschwerden behandelt, die unter Umständen auf einen ungenügend funktionierenden Stoffwechsel hinweisen. Die Abgabe kleiner Mengen von Spurenelementen soll zum Beispiel hilfreich sein bei:

– rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen

– chronischen Infektionen der Atemwege

– chronischen Ohrenentzündungen

Die Oligotherapie kann mit anderen Massnahmen der Schul- oder Komplementärmedizin kombiniert werden. Wenn man beispielsweise Antibiotika einnehmen oder sich einer Krebsbehandlung mit Chemotherapeutika unterziehen muss, so soll die Oligotherapie die Wirksamkeit der eingenommenen Mittel unterstützen. Die Spurenelemente werden individuell eingesetzt und weisen eine breite Wirkung auf. Deshalb können sie auch zur Vorbeugung dienen.

Nebenwirkungen / Vorsichtsmassnahmen
Die Oligotherapie ist gut verträglich und löst keine Nebenwirkungen aus. Dennoch sollte sie ausschliesslich von Ärzten praktiziert werden, die fundierte Kenntnisse über die Stoffwechselvorgänge im Körper besitzen, denn die richtige Diagnose und die Auswahl des entsprechenden Elementes sowie die exakte Dosierung sind für die Wirksamkeit der Oligotherapie entscheidend. Aus diesem Grund sind die bei der Oligotherapie eingesetzten Spurenelemente rezeptpflichtig.

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31. Oktober 2005

Teufelskreis aus Schmerz und Pillen: Nur der Entzug hilft bei Dauerkopfschmerz

Chronischer Kopfschmerz kann die Folge eines übermäßigen Konsums von Schmerz- und Migränemittel sein. “Neuere Studien belegen eindrucksvoll, wie wichtig ein konsequenter Medikamentenentzug bei dieser Art von Kopfschmerzen ist”, kommentieren Experten in den ” Kopfschmerz-News”, dem Mitgliederorgan der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Häufige Kopfschmerzen können dazu verleiten, aus Angst vor einer bevorstehenden Schmerzattacke “vorsichtshalber” ein Schmerz- oder Migränemittel zu schlucken. Kopfschmerzpatienten sollten dies jedoch nicht häufiger als an 10 Tagen pro Monat und nur an höchstens drei aufeinanderfolgenden Tagen tun. Denn bei unvorsichtigem Gebrauch dieser Arzneimittel droht ein Teufelskreis aus Schmerz und Pillen: der so genannte medikamenteninduzierte Kopfschmerz.

“Nur” zehn Tage.

Die Spezialisten der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft IHS haben unlängst die diagnostischen Kriterien für den medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz verschärft. Wenn Patientinnen oder Patienten pro Monat an mehr als 15 Tagen unter Kopfschmerzen leiden und an mehr als zehn Tagen (bislang 15 Tagen) regelmäßig während drei Monaten Mutterkornalkaloide, Triptane oder Schmerzmittelmischpräparate einnehmen und sich der Kopfschmerz während dieser Zeit entwickelt oder verschlechtert ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz handelt. Bei Schmerzmitteln, die nur eine Substanz enthalten, gehen die Warnlampen an, wenn Patienten an mehr als 15 Tagen pro Monat Tabletten gegen ihre Kopfschmerzen schlucken. Gesichert ist die Diagnose allerdings erst dann, wenn der Kopfschmerz binnen zwei Monaten nach Absetzen der Medikamente entweder ganz verschwindet oder zu seinem früheren Muster zurück geht, beispielsweise eine Migräne-Attacke pro Monat. Grund für diese Änderungen sind neuere Studien über den durch Arzneimittelübergebrauch verursachte Kopfschmerzen. Darüber hinaus wissen die Experten schon lange, dass die häufige Einnahme von Analgetika der wichtigste Risikofaktor für die Chronifizierung einer Migräne, aber auch nichtmigränöser Kopfschmerzen ist. Während in der Durchschnittsbevölkerung etwa einer von hundert Menschen an chronischem Migränekopfschmerz leidet, stellten Wissenschaftler bei einer norwegischen Studie fest, dass diese Zahl bei Menschen mit regelmäßigem Schmerzmittelgebrauch bei 13 Prozent lag. Bei nichtmigränösen Kopfschmerzen ist das Risiko einer Chronifizierung nicht so deutlich erhöht.

Klassischer Frauenschmerz.

In den Studien zum Schmerzmittelkopfschmerz stellen die Experten stets unisono fest: Am stärksten betroffen sind Frauen, die an Migräne ohne Aura leiden. In einer aktuellen Studie untersuchten italienische Forscher 96 Patientinnen und 18 Patienten mit medikamenteninduziertem Dauerkopfschmerz. Über 70 Prozent der Patienten litten ursprünglich unter einer Migräne ohne Aura. Nach den alten Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft wären indes nur 28 Prozent der Betroffenen korrekt diagnostiziert worden. “Die Korrektur der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft war daher sehr wichtig”, betonen die DMKG-Experten.

Schmerzmittel entziehen.

“Nur der Entzug der eingenommenen Präparate kann den Dauerschmerz wieder nehmen”, erklären die DMKG-Experten. Dies verdeutlicht eine große, retrospektive amerikanische Studie. Die Forscher analysierten rückblickend die Daten von 756 Patienten mit medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzen, die im Mittel fünf Tabletten pro Tag geschluckt hatten und meistens mehr als eine Substanz einnahmen. Die Wissenschaftler verglichen diejenigen, die einen erfolgreichen Schmerzmittelentzug durchgestanden hatten mit dem Befinden einer Gruppe von Patienten, die dies nicht geschafft oder nicht versucht hatte. Wer den übermäßigen Medikamentenkonsum aufgegeben hatte, litt deutlich seltener und weniger lang an Kopfschmerzen. Bei den meisten dieser Patienten beschränkte sich der Schmerz nach einem Jahr auf die ursprünglich episodisch auftretenden Migräneattacken. In der anderen Gruppe konnten die Forscher nur bei 15 Prozent der Patienten eine Besserung der Dauerkopfschmerzen feststellen.

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31. Oktober 2005

Modernes Krebsmedikament wirksam bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen

Giessener Lungenforscher weisen erneut erfolgreiche Umsetzung des translationalen Forschungskonzeptes vor

Am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, haben die Lungenforscher unter der Leitung von Prof. Friedrich Grimminger bei der klinischen Anwendung eines neuen Tumormedikamentes aus der Klasse der Tyrosinkinasehemmer entdeckt, dass der eingesetzte Wirkstoff (Imatinib) das Gewebewachstum bei Tumoren, aber auch bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen hemmt. Die weit reichende Bedeutung für Lungenkrankheiten, insbesondere dem Lungenhochdruck, der Lungenfibrose und der chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD), konnte die Arbeitsgruppe des Lungenexperten jetzt sowohl in präklinischen Studien als auch klinischen Fallbeschreibungen belegen. Nach dem Erfolg der “Everest Höhenstudie” und der Zulassung des Viagra Wirkstoffes gegen Lungenhochdruck in Amerika liefern die Ergebnisse der Giessener Lungenforschung erneut die maßgeblichen Vorraussetzungen für eine weltweite klinische Studie, in der die Wirksamkeit der neuen Therapie an einer großen Zahl von Patienten untersucht wird.

Zukunftsweisender Einsatz von modernem Krebsmedikament gegen chronische Herz- und Lungenkrankheiten “Die molekularen Mechanismen, die zur Zellvermehrung in einem Tumor führen, spielen auch bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen eine Schlüsselrolle,” erklärt Professor Friedrich Grimminger, Leiter der Abteilung Medizinische Klinik V “Pulmologische Onkologie” des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Bei vielen chronischen Volkserkrankungen, wie z.B. der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), dem Bluthochdruck im großen Kreislauf, aber auch dem Lungenhochruck, dem Lungenemphysem und der Lungenfibrose kommt es zu gutartigen Gewebewucherungen. Dabei vermehren sich die Zellen in den Wänden der Blutgefäße oder der Atemwege. Sie verengen sich schleichend und behindern Blutfluss und Atmung. Ein Abbau der einmal entstandenen Wandschichten war bislang nicht möglich, mit der Folge, dass diese degenerativen Veränderungen noch vor den Krebserkrankungen weltweit als die häufigste Todesursache gelten. Umso bedeutsamer sind die Ergebnisse der ersten klinischen Fallbeschreibungen der Lungenärzte Prof. Friedrich Grimminger und Dr. Ardeschir Ghofrani mit der jüngsten Generation von Tumormedikamenten speziell bei den gutartigen Gewebewucherungen bei chronischen Lungenerkrankungen, wie z.B. dem Lungenhochdruck, der Lungenfibrose und der chronischen Bronchitis (COPD): Mit dem Wirkstoff “Imatinib”, einem Tyrosinkinasehemmer, gelingt es gezielt den unkontrolliert wachsenden Zellen das Signal zum Absterben zu geben. Ein Absterben von Zellen konnte bisher nur durch die Vergiftung des gesamten Körpers mit aggressiven Chemotherapien erreicht werden. Durch die modernen Krebsmedikamente werden die Gefäße wieder dünner und dehnbarer. Diese zukunftsweisenden Beobachtungen wurden jüngst in Amerika vorgestellt und jetzt im renommiertesten Medizinjournal, dem New England Journal of Medicine (NEJM), publiziert.

Erneuter Erfolg der “Translationalen Medizin” innerhalb von 18 Monaten In der zeitgleich durchgeführten wissenschaftlichen Grundlagenuntersuchung gelang es der Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereiches 547 “Kardiopulmonales Gefäßsystem” unter der Leitung von Priv.-Doz. Ralph Schermuly erstmals die erfolgreiche Behandlung des Lungenhochdrucks mit “Imatinib” in präklinischen Studien beschreiben und zu publizieren. Die wechselseitige Kooperation zwischen den Giessener Grundlagenforschern und Klinikern liefert zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten die maßgeblichen Vorraussetzungen für eine weltweite klinische Studie, in der die Wirksamkeit der neuen Therapie an einer großen Zahl von Patienten untersucht wird. Das erste Erfolgsbeispiel der hier praktizierten translationalen Medizin ist die “Giessener Everest Studie”. Die Höhenstudie, und die daraufhin erfolgte Zulassung des Viagra Wirkstoffes gegen Lungenhochdruck in Amerika im Juni 2005, hatte weltweite Aufmerksamkeit ausgelöst.

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31. Oktober 2005

Fettstoffwechsel steht in Zusammenhang mit Alzheimer

Forscher: Ernährungsgewohnheiten haben Einfluss auf Bildung der Erkrankung

Einem Forscherteam der Universität Heidelberg ist es gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Leuven und Boston gelungen, einen wesentlichen Schritt in der Alzheimer-Forschung weiter zu kommen: Demnach besteht ein Zusammenhang zwischen der Demenzerkrankung und dem Cholesterinstoffwechel. Damit schließt das Forscherteam um Tobias Hartmann vom Zentrum für molekulare Biologie der Universität Heidelberg www.zmbh.uni-heidelberg.de an die Forschungsergebnisse von vor vier Jahren an. Damals konnten die Forscher zeigen, dass die Alzheimer-Krankheit mit cholesterinsenkenden Medikamenten - so genannten Statinen - verhindert werden könnte.

Hartmann hat mit seinem Team entdeckt, dass die biologische Funktion der Protein-Bruchstücke, die als Plaques im Gehirn von Patienten abgelagert sind, die Begrenzung der körpereigenen Cholesterin-Produktion ist. Amyloid-Beta hemmt die Aktivität der HMG-Reduktase, das wichtigste Enzym der Cholesterinsynthese. Gleichzeitig aktiviert Amyloid-Beta auch Sphingomyelinasen, wodurch der Abbau von Sphingomyelin (ein weiteres besonders häufig im Gehirn vorkommendes Fett) gefördert wird. “Damit ergibt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Alzheimer-Krankheit und dem Fettstoffwechsel”, erklärt Hartmann im pressetext-Interview.

Dieser Zusammenhang werde noch dadurch verstärkt, dass die Fettzusammensetzung von Nerven und anderen Zellen sich wiederum auf die Produktion des Amyloid-Beta auswirkt, so dass ein vollständiger Regelkreis entsteht, bei dem Fette die Produktion des Amyloid-Beta verändern, während wiederum das Amyloid-Beta die Produktion dieser Fette verändert. Wenn dieser Kreislauf aus dem Gleichgewicht kommt und zuviel Amyloid-Beta produziert wird, steigt das Risiko an Alzheimer zu erkranken an. “Nun lässt sich auch verstehen, wie mit Medikamenten, die den Fettstoffwechsel beeinflussen, die Produktion des im Übermaß gefährlichen Amyloid-Beta verringert werden kann”, erklärt Hartmann. Eigentlich sei das Forschungsergebnis, das vor fünf Jahren erzielt wurde, erst jetzt in seiner Gesamtheit verständlich.

Auf die Frage, ob sich die Ernährung direkt auf die Entwicklung der Demenz-Erkrankung auswirken könne, meint Hartmann, dass diese Frage nicht eindeutig mit ja oder nein beantwortet werden könne. “Der Cholesterinstoffwechsel ist abgekoppelt von den Vorgängen im Gehirn”, so Hartmann. Dennoch sei es langfristig sehr wohl denkbar, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel sich negativ auswirke. “Gewisse Fette wie langkettige Omega-Fettsäuren aus Kaltwasser-Meeresfischen lagern sich hocheffizient im Gehirn ein”, erklärt der Experte. Dieser Kreislauf funktioniere relativ schnell. Der Wissenschaftler meint, dass das Thema “Ernährung” mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen sei. “Auch andere Aspekte der Ernährung, die vielleicht auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind, könnten eine wesentliche Rolle spielen, obwohl sie epidemiologisch nicht einfach nachweisbar sind.” Auch die Frage, wie die Energie verbraucht werde, sei von Bedeutung, so der Wissenschaftler.

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31. Oktober 2005

Wenn die Schilddrüse nicht mehr richtig “Gas gibt”

Jodmangel ist die häufigste Ursache für Schilddrüsenkrankheiten

So unscheinbar die im vorderen Bereich des Halses liegende Schilddrüse dem Laien auch erscheinen mag, für unseren Körper ist sie eine der wichtigsten Drüsen überhaupt. Die von ihr produzierten Schilddrüsenhormone stellen nämlich die Weichen für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen und bestimmen deren Intensität. Dadurch haben sie entscheidenden Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung des Organismus, auf seine Leistungsfähigkeit und somit für unsere Gesundheit. Nicht umsonst nennt man die Schilddrüse deshalb auch die “Zündkerze” des Körpers.

Der Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sind nur einige Stoffwechselvorgänge, die von der Schilddrüse bzw. ihren Hormonen mitgesteuert werden. Darüber hinaus hat die Schilddrüse Einfluss auf die Temperaturregulation des Körpers, den Energieumsatz, die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern sowie deren Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit. Bei Erwachsenen können Fehlfunktionen der Schilddrüse zu Leistungseinbußen und einer Reihe von Gesundheitsstörungen führen.

Um diese Steuerungsaufgaben erfüllen zu können, ist die Schilddrüse auf eine regelmäßige Zufuhr von täglich etwa 180 - 200 Mikrogramm (millionstel Gramm) Jod angewiesen. Diese Menge wird ihr mit der Nahrung trotz einer in den letzten Jahren verbesserten Jodzufuhr jedoch nicht zugeführt. Im Durchschnitt fehlt Jugendlichen und Erwachsenen noch etwa ein Drittel der empfohlenen Zufuhrmenge, das sind etwa 60 - 80 Mikrogramm Jod pro Tag.

Mangelt es der Schilddrüse über längere Zeit an Jod, vergrößert sie sich: Es entsteht ein Kropf. Dieser kann im Anfangsstadium noch nicht einmal sichtbar sein, wirkt sich aber bereits nachteilig auf die Gesundheit aus, indem er z. B. auf die Luft-und Speiseröhre drückt und somit zu Atem- und Schluckbeschwerden führt.

Produziert die Schilddrüse im weiteren Verlauf nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone, kann dies zur Reduzierung der Abwehrkräfte des Organismus, zu ständigem Frieren, zu Müdigkeit, Leistungsschwäche und einer Reihe von Funktionsstörungen führen.

Der naturbedingte Jodmangel in der Nahrung, der daraus entstehende Kropf und die dadurch ausgelösten Schilddrüsenkrankheiten sind aber kein unausweichliches Schicksal. Durch die Verwendung von Jodsalz oder Jodsalz mit Fluorid im Haushalt, den regelmäßigen Verzehr von Seefisch und Milch sowie den bevorzugten Kauf von Lebensmitteln, die mit Jodsalz hergestellt sind (vor allem Brot), kann einer jodmangelbedingten Schilddrüsenvergrößerung wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Die breite Verwendung von Jodsalz hat in den letzten Jahren zu einer erfreulichen Verbesserung der Jodversorgung geführt. Dies zeigt sich am deutlichsten bei Schulkindern, bei denen regionalen Untersuchungen zufolge heute erheblich seltener vergrößerte Schilddrüsen als Folge von Jodmangel festgestellt werden als noch vor zehn Jahren.

Nach Professor Peter C. Scriba von der Universitätsklinik München, Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel, gibt es aber immer noch Risikogruppen, zu denen vor allem Schwangere und Stillende zählen, die einen erhöhten Jodbedarf haben. Sie sollten deshalb neben einer jodreichen Grundnahrung noch täglich etwa 100 (-150) Mikrogramm Jod in Tablettenform zu sich nehmen. Auch Jugendliche in der Pubertät, besonders wenn sie viel Fastfood konsumieren, die zumeist ohne Jodsalz hergestellt ist, sind jodmangelgefährdet. Gleiches gilt für Freizeit- und Leistungssportler, die mit dem Schweiß vermehrt Jod ausscheiden. Auch sie sollten ihrer Jodversorgung besondere Aufmerksamkeit widmen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Arbeitskreis Jodmangel
Postfach 1541 - 64505 Groß-Gerau
Herr Alfred Fischer
E-Mail: info@praxis-press.de
Telefon: 06152/40021 oder 0170/3339852

Anmerkung der Redaktion:
Die gleichen Symptome wie bei Jodmangel -– z.B. ständige Müdigkeit, Antriebsschwäche u.a. -– treten auch bei einer Unterfunktion der Schilddrüse auf. Wer trotz reichlichem Verzehr von Fisch- und Meeresfrüchten und bei Einnahme von Fischöl und Verwendung jodhaltigen Salzes unter solchen Beschwerden leidet, sollte seine Schilddrüse untersuchen lassen.
Bei Vorliegen einer Schilddrüsen-Unterfunktion verschreibt der Arzt ein Medikament, das Schilddrüsenhormon enthält und in der Regel lebenslänglich eingenommen werden muss. Diese Mittel verhelfen vielen Menschen – ohne Nebenwirkungen – zu neuer Dynamik.

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31. Oktober 2005

Plectasin – neues Antibiotikum?

Forscher entdecken neues Antibiotikum in Pilzen, das auch gegen resistente Bakterien wirkt

Wissenschaftler haben ein neues Antibiotikum entdeckt, das selbst gegen resistente Bakterienstämme wirksam ist. Das Antibiotikum mit dem Namen Plectasin stammt von einem Pilz, der in den Kiefernwäldern Nordeuropas zuhause ist. Es könnte bei der Bekämpfung gängiger Krankheiten wie Scharlach, Gehirnhautentzündung und Blutvergiftung eingesetzt werden, hoffen die Forscher. Besonders aber in der Behandlung von lebensbedrohlichen Lungenentzündungen, die Patienten sich in Krankenhäusern und Altenheimen zuziehen, soll das neue Antibiotikum einen Durchbruch bringen.

Die Erreger der Lungenentzündung in vielen Krankenhäusern haben sich an die Behandlung mit gängigen Antibiotika angepasst und eine Resistenz aufgebaut. Oft verläuft deshalb die Behandlung von Infektionen mit solchen so genannten “Superkeimen” erfolglos, doch das Antibiotikum Plectasin soll Abhilfe schaffen: Im Test an Mäusen fanden die Forscher heraus, dass Plectasin auch solche Erreger der Lungenentzündung ausschaltete, gegen die übliche Antibiotika inzwischen machtlos sind. Wie es denn eigentlich wirkt, können die Wissenschaftler allerdings noch nicht sicher sagen – sie vermuten, dass es sich um einen bisher unbekannten Mechanismus handeln könnte.

Die meisten Antibiotika, die heutzutage in der Medizin eingesetzt werden, stammen von Pilzen und Bodenbakterien. Sie werden von den Organismen zur Verteidigung gegen Infektionen und konkurrierende Mikroben hergestellt. Im Grunde handelt es sich dabei um gezielt wirkende Gifte, die Bakterien und Pilze abtöten. Eine Untergruppe der Antibiotika bilden die Defensine, zu denen das Plectasin gehört. Defensine sind auch auf der menschlichen Haut und in weißen Blutkörperchen zu finden, doch die Wissenschaftler um Per Mygind haben sie nun erstmals in einem Pilz nachgewiesen. Auch ist das Plectasin sehr viel stärker als die menschlichen Defensine. Von ihrer Arbeit erhoffen sich die Forscher in Zukunft weitere Erfolge, denn 200.000 weitere Pilzarten warten darauf, auf neue Antibiotika geprüft zu werden.

Ähnliche Antibiotika wie das Plectasin haben Forscher auch in Skorpionen, Spinnen und Muscheln gefunden. Möglicherweise gibt es ein gemeinsames Ur-Gen für die Produktion von Defensinen, schließen sie daraus. Das Defensin könnte demnach schon vor mehr als einer Milliarde Jahren in Lebewesen aufgetaucht sein.

Die Antibiotikaforschung begann, als Alexander Fleming im Jahre 1929 durch Zufall das Penizillin entdeckte: Er stellte fest, dass Brotschimmel in einer Petrischale Bakterienkolonien vernichtete. Auch bei der Entdeckung von Plectasin war der Zufall im Spiel – die Forscher hatten den Pilz Pseudoplectania nigrella, bei dem sie das Plectasin fanden, auf gut Glück nach Defensinen untersucht.

Per Mygind (Novozymes A/S, Bagsvaerd) et al.: Nature, Bd. 437, S. 975

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