Beiträge für November, 2007

29. November 2007

Zehn humorvolle Tipps für den richtigen Umgang mit blinden Menschen

Mit der Kampagne “Wir sehen anders” tritt die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs mit viel Humor dem Klischee der mitleiderregenden blinden Almosenempfänger entgegen. Jetzt ist eine kostenlose Broschüre mit zehn Tipps für den richtigen Umgang mit blinden oder sehbeeinträchtigten Menschen erschienen. Darin lernen große und kleine Sehende, ihre Scheu abzulegen und - falls nötig - die richtige Unterstützung anzubieten.

“Als eine der größten Selbsthilfeorganisationen Österreichs engagieren wir uns für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben sehbehinderter und blinder Menschen. Mit der Broschüre wollen wir das Bewusstsein dafür stärken, dass und vor allem wie ein entspanntes und respektvolles Miteinander möglich ist”, erläutert Geschäftsführerin Irene Vogel die Ziele der Hilfsgemeinschaft.

Einen Schwerpunkt der zehn Tipps bildet das Thema “Kommunikation”. Was ist nötig, um einem blinden Menschen brauchbare Infos zu liefern? Wie macht man auf sich aufmerksam? Wie zeigt man eine Tür oder eine Sitzgelegenheit an? Dargestellt sind zehn alltägliche Situationen, die von dem deutschen Karikaturisten Phil Hubbe (www.hubbe-cartoons.de ) auf humorvolle Weise illustriert wurden. Die witzigen Texte räumen mit gängigen Vorurteilen auf und sind als Einstieg für jene gedacht, die sich immer schon gefragt haben: “Was tun, wenn jemand blind ist?”

In Deutschland ist Phil Hubbe bereits seit langem für seine “behinderten Cartoons” bekannt. Die Frage “Darf man Witze über Behinderte machen?” beantwortet er mit einem klaren “Ja”. Er selbst ist an Multipler Sklerose erkrankt und erlaubt sich ironische Selbstbetrachtungen, gepaart mit handwerklicher Bestform. “Behinderte wollen als normale Menschen wahrgenommen werden, dann muss man halt auch über sie lachen können. Es gilt noch eine Menge Scheinheiligkeit im Umgang mit behinderten Menschen abzubauen”, sagt Hubbe über seine Arbeit.

Die Hilfsgemeinschaft hat bereits in der Vergangenheit internationale Anerkennung für ihren ungewöhnlichen, witzigen TV-Spot “Blinde Piloten” erhalten, der im Rahmen der Kampagne “Wir sehen anders” entstanden ist (Details dazu unter www.wirsehenanders.at ). Mit der neuen Broschüre wird die bisher verfolgte Linie, Humor gegen Diskriminierung einzusetzen, konsequent fortgesetzt.

Bestellt werden kann die kostenlose Broschüre “Wir sehen anders” unter www.hilfsgemeinschaft.at bzw. unter Tel. 01/330 35 45-18 oder per E-Mail an service@hilfsgemeinschaft.at.

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29. November 2007

Biofeedback reduziert Migräneattacken

Biofeedback kann Migräneattacken ebenso wirksam vorbeugen wie Entspannungstechniken und medikamentöse Therapien. Das belegt eine aktuelle Untersuchung. „Der erhöhte technische Aufwand lohnt sich aber nur bei Patienten, die von den anderen Verfahren nicht profitieren“, kommentieren die Experten in den „Kopfschmerz-News“, dem Mitgliederorgan der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Das Biofeedback-Verfahren hilft Patienten dabei, unbewusste Körperfunktionen wahrzunehmen und zu beeinflussen. Das Prinzip dieses Verhaltenstrainings: Sensoren registrieren beispielsweise die Muskelspannung oder den Blutfluss in einer Arterie. Von einem Computer werden diese Signale in Bilder oder Töne „übersetzt“. Ändert sich die Körperfunktion, wird dies sicht- oder hörbar. So kann der Patient lernen, diese Körperfunktionen zu beeinflussen.

Zwei Wissenschaftlerinnen vom Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie der Marburger Philipps-Universität unterzogen die Ergebnisse von 55 Biofeedback-Studien einer erneuten Analyse. Die Daten von über 2000 Migränepatientinnen und – patienten, die im Schnitt seit über 16 Jahren an Migräne litten, gingen in diese Meta- Analyse ein. 84 Prozent der Betroffenen waren Frauen.

Weniger Migräneanfälle, weniger Angst. Das Fazit: Am deutlichsten reduzierte das Biofeedback-Training nach durchschnittlich elf Sitzungen die Häufigkeit und Dauer der Migräneanfälle, sowie Depressionen und Ängstlichkeit der Patienten. Diese Wirkung basiert vor allem auf der Wahrnehmung der Betroffenen, die trainierte Körperfunktion kontrollieren zu können. Die Kopfschmerzintensität und der Medikamentenbedarf bei einer Attacke veränderten sich hingegen weniger.

Die unterschiedlichen Methoden des Biofeedback erwiesen sich als gleichwertig, wobei das sogenannte Blutvolumenpuls-Feedback gegenüber anderen Methoden etwas überlegen schien. Bei dieser Form des Biofeedback lernen die Patienten, die Schläfenarterie durch eigene Willenskraft zu verengen bzw. Zu erweitern. Manche Patienten beißen in ihrer Vorstellung in eine Zitrone, andere legen in Gedanken einen Eiswürfel auf ihre Schläfe. Patienten, die zuhause das Training weiterübten, konnten ihre Ergebnisse im Durchschnitt um 20 Prozent verbessern und diese Verbesserungen auch langfristig erhalten. Die Autorinnen der Analyse empfehlen die Biofeedback-Methode daher auch zur dauerhaften Vorbeugung von Migräneanfällen.

„Das Biofeedback-Training wirkt jedoch nicht besser als andere Verfahren zur Migräneprophylaxe. Wegen des erhöhten technischen Aufwands ist es daher nur für jene Patienten sinnvoll, die von Entspannungstherapie und psychologischen Techniken nicht profitieren“, kommentieren die DMKG-Experten.

Quelle: Nestoriuc Y, Martin A. Efficacy of biofeedback for migraine: A meta-analysis. Pain 2007; 128:111-127

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28. November 2007

Neuer Diagnose-Ansatz zur Früherkennung von Multipler Sklerose

Die Umgebung erscheint verschwommen, die Finger der linken Hand sind taub – Hinweise auf eine Multiple Sklerose (MS)? Oder klingen die Symptome nach einigen Tagen ab und kehren dann nie wieder? Die so genannte „Magnetresonanz-Spektroskopie“ könnte die Antwort auf diese Frage künftig erleichtern. Mit dieser Methode lässt sich die Konzentration von Stoffwechselprodukten im Gehirn messen. Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Universität Bonn hat so 25 Patienten untersucht, die unter neurologischen Ausfällen litten. Bei neun Patienten entwickelte sich in den Monaten nach der Messung eine Multiple Sklerose. Bei ihnen allen hatte die Spektroskopie zuvor deutliche Auffälligkeiten gefunden. Die Wissenschaftler berichten online in der Zeitschrift „Neuroradiology“ über ihre Ergebnisse (doi: 10.1007/s00234-007-0325-y). Die Krankheit MS äußert sich zunächst oft nicht eindeutig: Die Patienten können plötzlich nicht mehr richtig sehen, berichten über Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen. „Doch das sind Symptome, wie sie auch bei vielen anderen entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder beim Schlaganfall auftreten können“, erklärt der Radiologe Dr. Mike Wattjes. „Wenn sie jedoch verschwinden und die gleichen oder andere Symptome zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftreten, liegt häufig eine Multiple Sklerose zugunde. Das Problem dabei: Eine frühzeitige und sichere Diagnosestellung ist essentiell, um die Erkrankung so früh wie möglich passend behandeln zu können.“ Wattjes weiß, wovon er spricht: Er ist kürzlich von der Universität Bonn an das MS-Zentrum der Freien Universität Amsterdam gewechselt – das größte und renommierteste Zentrum dieser Art in Europa. Die jetzt veröffentlichte Studie geht jedoch noch auf seine Bonner Zeit zurück. Darin untersucht er mit seinem Kollegen, dem Physiker Dr. Frank Träber, ob es verlässliche Merkmale gibt, an denen sich die Diagnose „MS“ frühzeitiger festmachen lässt. Ein viel versprechendes Diagnose-Instrument ist die Magnetresonanz- Spektroskopie. Anders als die konventionelle Kernspintomographie liefert sie kein Bild des Gehirns. Stattdessen wirft das Gerät eine Art komplizierte Fieberkurve aus. Jeder Gipfel steht für ein bestimmtes Stoffwechselprodukt. Je höher die Zacke, desto größer die Menge dieses Produkts im untersuchten Hirnareal. Bei Multipler Sklerose wird unter anderem die Isolierschicht der Nervenfasern im zentralen Nervensystems angegriffen. Die Fasern können dann Informationen nicht mehr schnell und sicher weiter leiten. Zuerst werden die Nervenzellen nur geschädigt, im weiteren Verlauf können sie sogar absterben. Ursache ist ein chronisch entzündlicher Prozess, bei dem sich auch das Verhältnis verschiedener Hirnmoleküle zueinander verschiebt. Eine dieser Substanzen ist das N-Acetyl-Aspartat (tNAA). Es kommt in intakten Neuronen in deutlich größerer Menge vor als in Fasern, die bereits angegriffen sind. „Diese Änderung der tNAA-Menge lässt sich spektroskopisch messen“, erklärt Dr. Frank Träber. Wattjes und er haben das zusammen mit Kollegen aus der Bonner Neurologie gemacht. Insgesamt 25 Patienten mit möglichen MS-Symptomen nahmen an der Studie teil, dazu eine Kontrollgruppe von 20 Gesunden. In den sechs Monaten nach der Messung kontrollierten die Ärzte, bei welchen Patienten sich nach dem ersten Schub tatsächlich eine MS entwickelte. Das war bei neun Patienten der Fall. „Bei diesen neun Patienten war die tNAA-Menge zum Zeitpunkt der Messung, also schon Monate vor der definitiven Diagnose, um durchschnittlich 13 Prozent verringert gewesen“, erklärt Träber. Die übrigen Patienten hatten zwar ebenfalls zu Beginn der Studie geringere tNAA-Werte als die gesunden Probanden. Hier betrug die Differenz aber nur sechs Prozent. Hinweis auf aggressiven Krankheitsverlauf „Sechs Monate sind für Multiple Sklerose keine lange Zeit“, betont Dr. Mike Wattjes. „Das spricht bei den neun Betroffenen für eine relativ hohe Krankheitsaktivität – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem man eine MS noch gar nicht diagnostizieren kann. Stark verminderte tNAA- Konzentrationen scheinen daher auf ein hohes Risiko hinzuweisen, bereits kurze Zeit nach den ersten Symptomen eine definitive MS zu enwickeln.“ Entsprechende tNAA-Werte wären dann auch ein Signal, früher als normalerweise mit MS-Medikamenten einzuschreiten. Es gibt zudem noch andere Werte, die bei den MS-Patienten in charakteristischer Weise verändert waren. Die MR-Spektroskopie liefert so gewissermaßen einen spezifischen „Fingerabdruck“, an dem sich die Krankheit erkennen lässt. „Die Methode scheint eine gute Ergänzung für das klassische Diagnose- Instrument – die MR-Tomographie MRT – zu sein“, erklärt Wattjes. Mittels MRT lassen tatsächlich strukturelle Veränderungen im Gehirn sichtbar machen. Interessanterweise liegen diese Läsionen oft in ganz anderen Gebieten, als nun in der MR-Spektroskopie auffällig wurden. „Wahrscheinlich spiegeln die sichtbaren Schädigungen nur eine Facette von MS wieder“, sagt Mike Wattjes. „Viele Krankheitsaktivitäten laufen anscheinend viel subtiler ab – in Hirnbereichen, die scheinbar noch völlig gesund sind.“ Kontakt: Dr. Mike P. Wattjes MS & Alzheimer Center Amsterdam Department of Radiology, VU Medisch Centrum Telefon: 0031/20-444-4594 E-Mail: wattjes@vumc.nl
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28. November 2007

Rosskastanie ist die Arzneipflanze des Jahres 2008

Extrakte aus den Samen der Rosskastanie werden gegen Beschwerden bei chronischen Venenleiden eingesetzt. Zudem hat der Baum eine lange und interessante Geschichte als Arznei- und Nutzpflanze. Darum wurde er jetzt vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2008 gekürt.

Kinder sammeln sie gerne und basteln mit ihnen, für viele Tiere sind sie im Herbst willkommene Nahrung. Die Rede ist von den Samen der Weißblütigen oder Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum).
Wenn sie zum Arzneimittel verarbeitet werden sollen, muss ihnen die wichtigste Wirkstoffgruppe, das Aescin, entzogen werden. Der Extrakt wird dann auf einen bestimmten Aescingehalt eingestellt. Er hilft bei Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz – bei Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen sowie bei nächtlichen Wadenkrämpfen. Das ist medizinisch bedeutsam, denn etwa sechs Millionen Bundesbürger sind davon betroffen.

„Aescin ist in seiner Wirkung gut untersucht, es dichtet die geschädigten Blutgefäßwände ab, so dass weniger Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe übertritt“, teilt der Würzburger Studienkreis mit.
Dadurch werde die Ansammlung von Wasser in den Beinen verringert. Im Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, Cumarinen und Gerbstoffen wirke der Rosskastanien-Extrakt insgesamt venenstärkend und entzündungshemmend.

Obwohl die Rosskastanie erst in den Kräuterbüchern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (Lonitzer, Matthioli) Erwähnung findet, wurde sie doch schnell zum festen Bestandteil der Tierheilkunde und Humanmedizin. Die volkstümliche Verwendung ihrer verschiedenen Teile sei auf Grund der Inhaltstoffe zwar nachvollziehbar, es fehlen aber naturwissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit, so der Studienkreis. Die Rinde der Rosskastanie ist reich an Gerbstoffen, die Durchfall und hämorrhoidale Beschwerden wie Nässen und Juckreiz lindern können. Zudem enthält sie besonders viel Aesculin. Dieser Stoff wird aus der Pflanze isoliert und dann in Sonnenschutzcremes eingearbeitet. Er soll auch zur Linderung der chronischen Veneninsuffizienz beitragen.

Die Blätter haben ein ähnliches Inhaltsstoffmuster wie die Rinde und wurden früher unter anderem als Hustentee zubereitet. Heute finden sie sich, ebenso wie die Blüten, manchmal in Tees oder Extrakt-Präparaten gegen Venenleiden. Die Blüten wurden, teilweise zusammen mit der Rinde, gegen Hämorrhoiden eingesetzt. Manche Menschen benutzten Kastanien auch als Amulette gegen die Gicht, wobei sie die braunen Samen entweder in der Hosentasche trugen oder unter die Bettmatratze legten.

Verbreitung durch die Osmanen
Die Rosskastanie blickt auf eine interessante Geschichte zurück.
Ursprünglich über ganz Europa verbreitet, zog sie sich in der letzten Eiszeit auf die Mittelgebirge Griechenlands, Mazedoniens und Albaniens zurück und überlebte dort. Erst vor rund 450 Jahren kehrte sie dann nach Westeuropa zurück. Der beliebte Baum, der vermutlich 300 Jahre alt werden kann, wächst also erst seit relativ kurzer Zeit wieder hier.

Verbreitet wurde er unter anderem durch die Feldzüge der Osmanen: Die Türken führten Kastaniensamen als Pferdefutter und als Medizin für die Tiere mit. Später wurden Rosskastanien bevorzugt auf Bierkellern gepflanzt: Weil sie nur flache Wurzeln bilden, störten sie die Kellergewölbe nicht. Außerdem sorgten sie mit ihren großen Blättern bei der Reifung und Lagerung des Bieres für zusätzliche Feuchtigkeit und Kühlung.

Gefahr durch die Miniermotte
Ihre Funktion als Schattenspender kann die Rosskastanie aber immer schlechter erfüllen. Grund dafür ist die Rosskastanien-Miniermotte, ein Schädling, der dem Baum seit jeher zusetzt. Das Insekt folgte seiner Leibspeise in den vergangenen Jahren bis nach Westeuropa und schwächt nun zunehmend die Bestände. Seine Larven ernähren sich ausschließlich von Stoffen, die nur in den Blättern der Rosskastanie vorkommen.

Mit der Esskastanie (Castanea sativa) ist die Rosskastanie nicht näher verwandt. Den botanischen Namen Aesculus übernahm Carl von Linné von antiken Schriftstellern wie Horaz und Plinius, wobei diese allerdings eine Eichenart mit essbaren Früchten meinten. Der Beiname hippocastanum ist das Vorbild für den deutschen Namen Rosskastanie.
Diese Bezeichnung ist durch die Ähnlichkeit der Früchte mit der Esskastanie motiviert. Die Zusätze Hippo- oder Ross- sind dagegen nicht völlig geklärt. Entweder sollen sie kennzeichnen, dass es sich im Gegensatz zur Esskastanie um etwas Ungenießbares handelt, oder sie beziehen sich darauf, dass die Samen als Rossarznei (gegen Dämpfigkeit und Husten) und Pferdefutter verwendet wurden.

Für den Studienkreis: Johannes Mayer, Ralf Windhaber, Franz-Christian Czygan

Weitere Informationen: Dr. Johannes Mayer, T (0931) 83264, johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

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28. November 2007

Prostatakrebs: Fettleibigkeit kann Testergebnisse verfälschen

Ärzte müssen das Gewicht eines Patienten berücksichtigen, wenn sie die Testergebnisse bei Prostatakrebs auswerten. Wissenschaftler des Duke Prostate Center www.dukehealth.org haben nachgewiesen, dass Fettleibigkeit die Ergebnisse verfälschen kann. Fettleibige Männer verfügen über mehr Blut. Aus diesem Grund kann die Konzentration der Antigene geringer sein, die als Marker für eine Erkrankung eingesetzt werden. Für die im Journal of the American Medical Association jama.ama-assn.org veröffentlichte Studie wurden die Daten von 14.000 Patienten ausgewertet. Dieser Forschungsansatz könnte erklären, warum stark übergewichtige Männer anscheinend an aggressiveren Krebsformen erkranken. Die Tumore dürften im Anfangsstadium einfach nicht festgestellt werden. Der PSA-Test für das prostataspezifische Antigen gilt als notorisch unzuverlässig. Rund ein Drittel der Männer mit erhöhten PSA-Werten werden nicht an Krebs erkranken. Trotzdem müssen sie umfangreiche Tests über sich ergehen lassen. Andererseits erkennt der Test laut Studie immer wieder eine Krebserkrankung nicht. Der Urologe Stephen Freedland erklärte, dass diese Forschungsergebnisse tatsächlich eine Begründung dafür liefern, warum fettleibige Männer dazu neigen niedrigere PSA-Werte zu haben als normalgewichtige. “Wird das Körpergewicht nicht berücksichtigt, übersehen wir vielleicht viele Krebserkrankungen.” Bei den dicksten Patienten lagen die PSA-Werte 21 Prozent unter jenen von normalgewichtigen. Allein in Großbritannien ist der Prostatakrebs für 13 Prozent der tödlichen Krebserkrankungen verantwortlich. Nach dem Lungenkrebs handelt es sich um die am häufigsten letale Krebserkrankung.
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26. November 2007

Kehlkopf- und Stimmgeschädigte: Die eigene Stimme aus dem Computer

Der Oldenburger Wissenschaftler Dr. Eduardo Mendel hat ein Softwareprogramm entwickelt, mit dessen Hilfe kehlkopf- bzw. stimmgeschädigte Patienten über den Computer mit ihrer Umgebung sprachlich kommunizieren können – wobei ihre eigene Stimme zu hören ist. Es begann alles vor sieben Jahren mit einem dramatischen Anruf. Ein naher Freund erzählte dem Physiker Dr. Eduardo Mendel von der Diagnose Kehlkopfkrebs und dass er in wenigen Tagen operiert werden müsse und seine Stimme verlieren werde. Nach dem ersten Schock zerbrach sich Mendel den Kopf darüber, ob nicht die Stimme seines Freundes auf irgendeine Weise zu „retten“ sei. Er war überzeugt, dass es heutzutage möglich sein müsse, die eigene Stimme aufzunehmen und damit anschließend ein Sprechprogramm zu „füttern“. Der promovierte Physiker, der seit vielen Jahren im Bereich der Theoretischen Physik der Universität Oldenburg geforscht und gelehrt hat und hier derzeit Lehrbeauftragter ist, recherchierte sowohl im Internet als auch bei einschlägigen Firmen und musste feststellen, dass es keine entsprechenden Computerprogramme gab. Es existieren zwar Sprechprogramme, allerdings werden diese immer von einer unpersönlichen bzw. Künstlichen Stimme gesprochen. In aller Eile machte der Oldenburger Wissenschaftler dann eine Reihe von Tonaufnahmen mit seinem Freund – ohne zu wissen, was er eigentlich genau benötigen würde. Danach begann die Arbeit. Der jetzt 54-jährige Physiker musste sich in ein ihm bis dahin weitgehend unbekanntes Wissensgebiet einarbeiten: die Phonetik (Lautlehre) der deutschen Sprache. „Das war eine sehr, sehr mühselige Arbeit, da die deutsche Aussprache nicht eindeutig mit der Schreibweise übereinstimmt.“ Es half, dass er durch seine Studien in Chile, USA, Kanada und Israel mehrere Sprachen, unter anderem Spanisch beherrscht, in der die Schrift eindeutig phonetisch ist. Das andere große Problem neben der Phonetik war die Entwicklung eines Softwareprogramms, mit dem aus einem Fundus an Lauten und Silben neue Wörter und Sätze gebildet werden können. Nach fünfjähriger Entwicklungsarbeit war Mendel am Ziel: Er hatte sein Verfahren zur Reife gebracht und gründete daraufhin seine Firma, um es für Patienten zugänglich zu machen. Das Verfahren funktioniert so: Am Anfang steht die Sprachaufnahme bei Patienten, bei denen ein Stimmverlust droht. Mendel: „Es ist äußerst wichtig, dass die Patienten von dieser Möglichkeit früh erfahren, damit ihre Stimme noch gut klingt.“ Hauptsächlich handelt es sich um Menschen, die an Kehlkopfkrebs oder der neurologischen Krankheit ALS erkrankt sind. Die Patienten müssen eine Wortliste vorlesen, die mehrere tausend Silben und alle Phoneme beinhaltet, was rund drei Stunden dauert. Sobald der Patient seine digital gespeicherte Stimme benötigt, wird das „Sprachmaterial“ von Mendel und seinen Mitarbeitern ins individuelle Sprechprogramm „Meine-eigene-Stimme“ integriert und dem Patienten zugeschickt. Diese zweite Phase nimmt 60 bis 70 Arbeitsstunden in Anspruch. Nach der Installation des Programms auf seinem Computer kann dann der von Stimmverlust betroffene Patient Sätze eingeben, die anschließend von seiner „eigenen Stimme“ gesprochen werden. Zwar ist die Sprache aus dem Computer nicht völlig identisch mit der „lebendigen“ Sprache, da das Programm nicht ganze Satzmelodien nachbilden kann, allerdings ist der Klang völlig natürlich und in seiner Individualität eindeutig erkennbar. Inzwischen haben Mendel und seine Mitarbeiter für rund 50 Patienten ein angepasstes Softwareprogramm erstellt. „Wir haben bei weiteren 50 Patienten Sprachaufnahmen gemacht“, so Mendel, „aber glücklicherweise benötigen diese Patienten das Programm bislang noch nicht.“ In diesem Jahr ist das Verfahren in das Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen aufgenommen worden. „Das ist natürlich ein großer Erfolg“, so Mendel, „andererseits ist die Bewilligungspraxis der einzelnen Kassen sehr unterschiedlich, und manchmal entscheidet sogar dieselbe Kasse von Fall zu Fall unterschiedlich.“ Dass das Programm, das 3.200 Euro kostet, abgelehnt wird, weil es teurer als die Sprechprogramme mit unpersönlichen Stimmen ist, mag Mendel nicht gelten lassen. „Gerade die eigene Stimme gehört zu den zentralen Dimensionen unserer Persönlichkeit“, sagt der Oldenburger Wissenschaftler. „Es ist wunderbar, auf diese Weise Menschen helfen zu können“, so Mendel, der von sehr positiven Rückmeldungen der Patienten berichtet. „Ich würde mir nur wünschen, dass die betroffenen Menschen sich früher bei uns melden. Oft können die Patienten kaum noch sprechen, wenn wir zu ihnen kommen.“ Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Patienten die Stimme eines nahen Verwandten aufnehmen lassen, falls die eigene Stimme schon zu sehr beeinträchtigt ist. Für Patienten, die außerdem noch in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, funktioniert das Sprechprogramm in Kombination mit Eingabehilfen wie Bildschirmtastatur, Stirn- und Augensteuerung. Und der Freund mit dem Kehlkopfkrebs? „Dem geht es relativ gut“, erzählt Mendel, „aber mit dem heutigen ausgereiften Programm hätte ich ihm viel besser helfen können.“ Kontakt: Dr. Eduardo Mendel, E-Mail: mendel@uni-oldenburg.de, Tel. 0441/72261
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