Beiträge für Februar, 2008

29. Februar 2008

Stress gibt Krebs eine zweite Chance

Die Heilungschancen nach Tumoroperationen sind umso größer, je weniger Adrenalin und Co im Blut zirkulieren
Der bei einer Krebsoperation empfundene Stress ist mitentscheidend dafür, ob der Eingriff letztlich erfolgreich verläuft. Denn der psychische oder körperliche Stress verändert den Stoffwechsel und unterdrückt das Immunsystem. Dadurch hat der Tumor eine größere Chance, im Körper wieder Fuß zu fassen, haben israelische Forscher um Shamgar Ben-Eliyahu von der Universität Tel Aviv herausgefunden. Durch das Blockieren von Stresshormonen in den Tagen um eine Krebsoperation herum gelang es den Forschern, die Überlebensrate von Mäusen deutlich zu steigern. Um die Rückkehr eines Tumors zu verhindern, müssen die Ängste des Patienten und körperlicher Stress möglichst klein gehalten werden.

Auch nach einer zunächst erfolgreichen Krebs-OP kann eine Geschwulst wieder zurückkehren, wenn Reste von Krebsgewebe zurückblieben oder Krebszellen in andere Körperpartien gewandert sind. Während und nach dem Eingriff muss das Immunsystem daher absolut fit sein, um diese Überbleibsel zu attackieren. Doch durch die Ängste des Patienten und den körperlichen Stress des Wegschneidens von Gewebe wird das Immunsystem beeinträchtigt. Stresshormone wie Adrenalin spielen dabei eine große Rolle. Ben-Eliyahu und seine Kollegen haben daher versucht, diese Stresshormone zu blockieren. In Versuchen mit Mäusen konnten sie die Lebenserwartung nach der Operation um das Zwei- bis Dreifache steigern.

Die Forscher wollen nun in klinischen Versuchen mit Patienten eine Behandlungsmethode entwickeln, um den OP-Stress zu senken und gleichzeitig das Immunsystem zu stimulieren. Das Immunsystem soll damit schon Tage zuvor auf den Eingriff vorbereitet werden, um dann nach der Operation Tumorreste und verstreute Tumorzellen besser beseitigen zu können. Mit dem Interventionsprogramm könnte die Lebenserwartung der Patienten gesteigert werden, hoffen die Forscher.


Mitteilungder Universität Tel Aviv

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wellnes
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28. Februar 2008

Überschuldete Menschen sind häufiger krank – Wissenschaftler fordern Präventionsprogramme

Überschuldete Menschen sind häufiger krank, nehmen aber gleichzeitig das Gesundheitssystem weniger in Anspruch. Wie eine Studie des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigt, leiden von zehn überschuldeten Personen acht zumindest an einer Krankheit, wobei den Betroffenen vor allem psychische Erkrankungen und Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen zu schaffen machen. „Die Studie zeigt am Beispiel von Rheinland-Pfalz erstmals quantitativ den Gesundheitszustand von überschuldeten Privatpersonen in Deutschland auf“, sagte Univ.-Prof. Dr. Stephan Letzel, Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin und Leiter der Studie „Armut, Schulden und Gesundheit“ (ASG-Studie), bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch in Mainz. „Zusammengefasst müssen wir feststellen: der Gesundheitszustand dieser Personengruppe ist absolut mangelhaft.“

Ein immer größer werdender Anteil der deutschen Bevölkerung ist von Verschuldung und Zahlungsunfähigkeit betroffen. „Während sich die Unternehmensinsolvenzen durch den konjunkturellen Aufschwung rückläufig entwickeln, steigen die Insolvenzen natürlicher Personen in alarmierender Weise an“, sagte Univ.-Prof. Dr. Curt Wolfgang Hergenröder, Professor für Bürgerliches Recht, Arbeits-, Handels- und Zivilprozessrecht an der Universität Mainz und Wissenschaftlicher Leiter des Schuldnerfachberatungszentrums in Rheinland-Pfalz.
Beantragten 2005 in Deutschland 68.898 Personen die Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens, so waren es im folgenden Jahr bereits 92.310; ein Anstieg um 33 Prozent. Untersuchungen zufolge waren im Jahr 2006 2,9 Millionen Privathaushalte überschuldet, das heißt etwa 7,3 Prozent aller Privathaushalte sind in Deutschland von einer extremen Ausgabenarmut betroffen.

Im Land Rheinland-Pfalz, dessen Überschuldungsquote nach allen Untersuchungen einen mittleren Wert aufweist, existiert seit 1999 ein flächendeckendes Beratungsangebot für überschuldete Privatpersonen.
Allerdings können die Beratungsstellen nur ca. 12 Prozent der Überschuldeten beraten. „Menschen in existenziellen Krisensituationen und mit begrenzten Selbsthilferessourcen können daher neben der ökonomisch-juristischen nicht immer in vollem Umfang auch die notwendige psychosoziale Beratungsleistung erhalten“, so Dipl. Päd. Werner Sanio, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schuldnerfachberatungszentrums in Rheinland-Pfalz und Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V.

Dass zwischen Armut und Gesundheit ein Zusammenhang besteht, ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Dies trifft nicht nur für Länder der Dritten Welt, sondern auch für westliche Industrienationen wie die Bundesrepublik Deutschland zu. „Nur, wie es sich in der speziellen Risikogruppe der überschuldeten Bürger darstellt, darüber war bislang nichts bekannt“, erklärte Prof. Dr. Eva Münster, Juniorprofessorin für Sozialmedizin und Public Health an der Uni Mainz und Leiterin der ASG- Studie. Mit der Studie „Armut, Schulden und Gesundheit“ liegen nun erstmals für Deutschland Daten über die tatsächliche sozialmedizinische Situation von überschuldeten Privatpersonen vor.
Die ASG-Studie wurde vollständig durch das Exzellenzcluster „Gesellschaftliche Abhängigkeit und soziale Netzwerke“ des Landes Rheinland-Pfalz finanziert.

Die Erhebung erfolgte zwischen Juli 2006 und März 2007 in Kooperation mit 53 Schuldnerberatungsstellen in Rheinland-Pfalz durch eine schriftliche Befragung. Insgesamt nahmen 666 Personen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren daran teil. Rund 80 Prozent der Probanden gaben an, derzeit an mindestens einer Erkrankung zu leiden, im Durchschnitt wurden zwei Erkrankungen pro Person genannt. Psychische Erkrankungen wie Angstzustände, Depressionen oder Psychosen sowie Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen sind mit jeweils rund 40 Prozent die häufigsten Beeinträchtigungen – unter denen Frauen übrigens jeweils deutlich häufiger leiden als Männer. Auch von Schilddrüsenproblemen scheinen Frauen eher betroffen zu sein, während Männern häufiger Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen zu schaffen machen: Jeder fünfte überschuldete Mann antwortete auf die betreffende Frage mit „habe ich derzeit“. „Im Vergleich zur nicht überschuldeten Bevölkerung stellen wir bei Überschuldung ein zwei- bis dreifach größeres Risiko fest, an bestimmten Krankheiten erkrankt zu sein. Das ist eklatant“, sagte Münster. „Eine zusätzliche Belastung ist, dass sich bei etwa der Hälfte der Überschuldeten Freunde oder Familie aufgrund der finanziellen Notlage zurückziehen. Das macht dann alles noch schlimmer.“

Zu dem defizitären Gesundheitszustand der überschuldeten Privatpersonen kommt als nächstes das Problem der geringeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen hinzu. 65 Prozent der Befragten haben, nach eigenen Angaben, aus Geldmangel die vom Arzt verschriebenen Medikamente nicht gekauft. 60 Prozent haben Arztbesuche unterlassen, weil sie die nötigen finanziellen Mittel für die Zuzahlungen nicht aufbringen konnten. Und auch in anderer Hinsicht kann die untersuchte Personengruppe den Forderungen nach einem gesunden Lebensstil nicht nachkommen: Ungefähr jeder zweite gibt an, sich infolge der Überschuldungsproblematik weniger gesund zu ernähren, und ist zudem weniger sportlich aktiv.

„Die ASG-Studie legt den eindeutigen Schluss nahe, dass es sich bei der Überschuldungsproblematik nicht ausschließlich um ein ökonomisches oder juristisches Problem der Betroffenen handelt, sondern dass gerade gesundheitliche und soziale Probleme dominieren und eine Einschränkung insbesondere bei der gesundheitlichen Versorgung vorliegt“, so das Fazit der Autoren. Sie raten dringend dazu, fächerübergreifende Präventionsprogramme einzurichten, in die die Sozialdienste der Schuldnerberatungsstellen, der Arbeitslosenberatungsstellen und des medizinischen Bereichs einbezogen werden. „Die Schuldnerberater könnten darauf geschult werden, die Anzeichen für psychische und physische Probleme zu erkennen und dann an medizinische oder psychologische Beratungsstellen verweisen, die ein entsprechendes Therapieangebot kostenlos bereitstellen“, führte Münster beispielhaft an. Aber auch die Zuzahlungen bei Arztbesuchen oder beim Arzneimittelkauf müssten ohne bürokratischen Aufwand für die Betroffenen entfallen.

Neben dem öffentlichen Gesundheitsdienst, hier müssen Bundes- und Landesministerien unbedingt aktiv werden, sollte den Krankenkassen eine leitende Funktion in der medizinischen Versorgung von überschuldeten Privatpersonen zugesprochen werden, um so das verfassungsmäßig verbürgte Sozialstaatsprinzip nach Art. 20 I GG zu verwirklichen. Vor diesem Hintergrund unterstützt der BKK- Bundesverband im Rahmen seiner Initiative zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit „Mehr Gesundheit für alle“ die Entwicklung eines Präventionsprogramms am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz seit Anfang Februar 2008.

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Oec. Troph. Eva Münster, MPH
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-30278
Fax 06131 39-36680
E-Mail: <a href="mailto:eva.muenster@uni-mainz.de

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28. Februar 2008

Schlaganfallpatienten entwickeln Aspirin-Resistenzen

Neben der Anwendung als Schmerzmittel wird Aspirin auch vorbeugend gegen Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. In einer Kontrollstudie haben Forscher der University of Buffalo http://www.buffalo.edu/ herausgefunden, dass Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, eine Aspirin-Resistenz entwickelten. Aspirin schützt Herzinfarkt- wie Schlaganfallpatienten vor erneuten Thrombosebildungen in den Arterien.

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“In dieser Studie konnten wir feststellen, dass 80 Prozent der 653 Probanden, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, Aspirin-sensitiv und 20 Prozent Aspirin-resistent waren”, erklärt der Francis M. Gengo, Wissenschaftler an der UB School of Medicine and Biomedical Sciences http://www.smbs.buffalo.edu in den USA. “Patienten, die einen zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten, zeigten bis zu 80 Prozent eine Aspirin-Resistenz”, ergänzt Gengo.

Fast zeitgleich wurde eine weitere Studie zum Thema Aspirin bei Infarktpatienten veröffentlicht. Die Forscher, die bei 20 Studien eine Metaanalyse durchführten, kamen zum Ergebnis, dass vor allem Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, Patienten mit Diabetes und jene, die bereits einen “Mini-Infarkt” hatten, gegen Aspirin immun waren. Zudem haben besonders jüngere Herzinfarktpatienten ein besonders hohes Risiko Resistenzen gegen Aspirin zu entwickeln. Einen Zusammenhang zwischen Aspirin-Resistenzen, Bluthochdruck sowie hohem Cholesterin konnten die Forscher aber nicht feststellen. “Wenn ein Patient einen Schlaganfall mit 50 erleidet, so leidet dieser an einer schlimmeren Gefäßerkrankung als ein Patient der erst mit 70 einen Schlaganfall bekommt”, meint Gongo.

“Aspirin ist bei Herzinfarktpatienten Standard und wird niedrig dosiert verabreicht”, erklärt Gerald Maurer, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin II im AKH Wien. “Bei Magenproblemen kann Aspirin verschrieben werden, doch ist es zu empfehlen, dies gemeinsam mit einem Magenschutz einzunehmen”, ergänzt Maurer.

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28. Februar 2008

Wirken Antidepressiva wirklich?

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) setzt sich in einer aktuellen Stellungnahme mit Medienberichten auseinander, die die Wirksamkeit der antidepressiven Pharmakotherapie anzweifeln. Anlass sind die Ergebnisse einer Studie von Irving Kirsch und Mitarbeitern, die am Department of Psychology der University of Hull, Großbritannen, entstanden ist und in der Fachzeitschrift PLOS Medicine (Public Libarary of Science Medicine, Bd. 5, e45) publiziert wurde.

Die Studienergebnisse von Kirsch und Mitarbeitern zeigen im Grunde nichts wirklich Neues. Denn zahlreiche Studien belegen, dass sich die Wirksamkeit eines Antidepressivums desto ausgeprägter von Placebo abgrenzt, je schwerer die Depression der untersuchten Patienten ist.
Diese Beobachtung haben Kirsch und Mitarbeiter nun an Zulassungsstudien, die der FDA vorgelegt worden waren, repliziert und interpretieren weiter, dass dabei die signifikante Überlegenheit der Antidepressiva gegenüber Placebo einer abnehmenden Wirkung von Placebo bei zunehmend schwerer Depression zuzuschreiben sei. Auch dies ist seit langem bekannt: Placebo wirkt desto weniger, je schwerer die Depression ist. Der von Kirsch replizierte Befund bestätigt gerade die Wirksamkeit von Antidepressiva insbesondere bei schwerer Betroffenen.

Entschieden widerspricht die DGPPN daher der Lesart in manchen Medien, selbst bei schweren depressiven Erkrankungen erzielten Antidepressiva keine klinische Wirkung im Sinne eines Nutzens für die Patienten, da der Unterschied zwischen den berücksichtigten Antidepressiva und Placebo so gering sei, dass es kaum Gründe gebe, diese Medikamente weiter zu verordnen. Allein vor dem Hintergrund der Suizidgefahr, die für viele Betroffene mit einer Depression einhergeht, ist für die DGPPN die Option einer Therapie mit Antidepressiva unverzichtbar.
Statistiken belegen, dass zwischen zehn und 15 Prozent aller Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen, die deshalb mindestens einmal stationär behandelt werden, durch Suizid sterben.

Hinzuweisen ist zudem auf die Tatsache, dass das englische Wissenschaftlerteam auch dieses Mal nur eine kleine Auswahl von Antidepressiva in ihrer Analyse berücksichtigte: Fluoxetin, Venlafaxin, Nefazodon, Paroxetin. Eines dieser Antidepressiva – Nefazodon – wurde bereits vor Jahren wegen kritischer Nebenwirkungen vom Markt genommen. Von diesen Antidepressiva gingen Daten aus nur 35 Studien in die Analyse ein. Kirsch trägt dazu zwar vor, dass er sich auf diese wenigen zur FDA-Zulassung eingereichten Studien beschränkt habe, um jede Form von Studienselektion zu vermeiden. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass für die vorgestellten Antidepressiva inzwischen zahlreiche weitere Studien vorliegen, die von Kirsch aber nicht berücksichtigt wurden.

Für die DGPPN stellt der Präsident, Professor Dr. Med. Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Frage, ob in Studien gemessene mittlere Besserungsraten tatsächlich ein geeignetes Maß für die klinische Relevanz im Sinne eines Patientennutzens darstellen. „Den einzelnen Patienten interessiert doch“, so Gaebel, „welche Wahrscheinlichkeit ihm geboten wird, sich in einer Zeit von etwa sechs Wochen wieder gesund zu fühlen. Hier liegt der Unterschied zwischen einem Antidepressivum und Placebo typischerweise bei zehn bis 20 Prozent. Das bedeutet, es müssen fünf bis zehn Patienten mit dem Antidepressivum behandelt werden, um eine spezifisch dem Antidepressivum zuzuschreibende signifikante Besserung zu erzielen. Im Vergleich zu vielen anderen medizinischen Interventionen bedeutet dies eine beachtliche Wirksamkeit. Deshalb kann man im Interesse der betroffenen Patientinnen und Patienten nicht auf die Pharmakotherapie bei Depressionen verzichten.“

Für den Präsidenten der DGPPN, Professor Gaebel, bleibt es trotz aller Diskussionen um die Wirksamkeit von Antidepressiva selbstverständlich, dass in jedem Einzelfall die Indikation zur Behandlung mit einem Antidepressivum sorgfältig abzuwägen ist. Letzten Endes entscheidet der oder die Betroffene nach umfassender ärztlicher Aufklärung, welche der möglichen Therapieformen unter Einschluss von Psychotherapie gewählt wird.

Hinzuweisen ist abschließend auf die Leitlinien der DGPPN zur Diagnostik und Therapie der Depression, die gegenwärtig überarbeitet werden und in Kürze in aktualisierter Fassung vorliegen.

Originaltext der DGPPN-Stellungnahme im Internet: www.dgppn.de/de_stellungnahmen-2008_153.html

Leitlinien der DGPPN zur Depression im Internet: Seiten der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich-Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF): www.leitlinien.net

Kontakt:
Prof. Dr. Med. Wolfgang Gaebel
Präsident der DGPPN
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heinrich-Heine-Universität
Bergische Landstrasse 2
40629 Düsseldorf
Tel.: 0211/ 922-2000
Fax: 0211/ 922-2020
E-Mail: <a href="mailto:wolfgang.gaebel@uni-duesseldorf.de

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28. Februar 2008

Forscher nutzen den Kampf unter Bakterien

Mit einer ungewöhnlichen Taktik suchen US-Forscher nach neuen Antibiotika: Sie lassen zwei verschiedene Bakterienstämme in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander antreten und analysieren anschließend das Waffenarsenal des Siegers. Auf diese Weise haben sie bereits zwei bisher unbekannte Wirkstoffe entdeckt, die unter anderem dem Magenkeim Helicobacter pylori den Garaus machen. Vor allem im Hinblick auf die stetig steigende Anzahl resistenter Erreger, denen sich mit den herkömmlichen Antibiotika nicht mehr beikommen lässt, birgt die neue Methode viel Potenzial, glauben Kazuhiko Kurosawa vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seine Kollegen.

Die beiden Kombattanten waren Bodenbakterien. Eines von ihnen, Rhodococcus fascians, galt bereits seit längerem als vielversprechender Antiobiotikalieferant. Zwar produziert das Bakterium unter normalen Umständen keine medizinisch nutzbaren Wirkstoffe, sein Erbgut ist jedoch von Genen für sogenannte Sekundärmetabolite durchsetzt – Stoffe wie Gifte, Farbstoffe oder eben Antibiotika, die nicht direkt für Wachstum und Überleben der Mikroben notwendig sind. Die Überlegung der Forscher: Wenn sich Rhodococcus gegen einen Gegner behaupten muss, der seinerseits ein Antibiotikum bildet, sollte das die Mikroben ausreichend unter Stress setzen, um ihre Wirkstoffproduktion anzukurbeln.

Kurosawa und seine Kollegen ließen Rhodococcus also zusammen mit dem Antiobiotikaproduzenten Streptomyces padanus auf der gleichen Kulturplatte wachsen – und tatsächlich: In einer der Kulturen begann Rhodococcus seine eigenen Antibiotika zu bilden, die schließlich zur Vernichtung des Konkurrenten führten. Diese bislang unbekannten Waffen, von den Forschern Rhodostreptomycin A und B getauft, gehören wie die gängigen Mittel Gentamicin und Neomycin zur Klasse der Aminoglykoside und töten neben Streptomyces auch Keime wie E. coli und Helicobacter pylori.

Auch wenn die Rhodostreptomycine vielleicht noch nicht die effizientesten Wirkstoffe seien, könnten sie dennoch als Startpunkte für eine chemische Optimierung dienen, erklären die Forscher. Außerdem wollen sie näher untersuchen, warum Rhodococcus als Reaktion auf die Bedrohung mit der Antibiotikaproduktion begonnen hat. Denkbar sei zum Beispiel, dass die Anwesenheit der gegnerischen Bakterien eine Art Alarmanlage auslöst, die die entsprechenden Gene anschaltet.

Alternativ stehe ein sogenanntes Megaplasmid, ein großes Stück zusätzlicher DNA, im Verdacht: Es wird während des Kontaktes von Streptomyces an Rhodococcus weitergegeben und könnte entweder selbst das Gen für Rhodostreptomycin tragen oder in Zusammenarbeit mit dem eigenen Erbgut des Bakterium dessen Produktion anregen. Je besser man diesen Mechanismus verstehe, desto eher könne man ihn gezielt nachahmen, um weitere bisher unbekannte Antibiotika zu finden, so die Wissenschaftler.


Kazuhiko Kurosawa (Massachusetts Institute of Technology) et al.: Journal of the American Chemical Society, Band 130, S. 1126

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27. Februar 2008

Unfreiwillige Schläfchen tagsüber erhöhen Schlaganfall-Gefahr

Regelmäßiges unbeabsichtigtes Schlafen während des Tages könnte bei älteren Menschen ein frühes Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall sein. Wissenschaftler der Columbia University http://www.columbia.edu haben herausgefunden, dass bei jenen, die diese Angewohnheit hatten, das Risiko eines Schlaganfalles zwei bis vier Mal höher war als bei jenen, die tagsüber nie einschliefen. Anlässlich der International Stroke Conference http://strokeconference.americanheart.org/portal/strokeconference/sc forderte das Team die Ärzte auf, auf diese Risikogruppe ein verstärktes Augenmerk zu legen.

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Für die Studie wurden 2.000 Menschen befragt, wie oft sie in verschiedenen Situationen einnickten. Dazu gehörte das Fernsehen, Gespräche im Sitzen, ruhiges Sitzen nach einem Mittagessen ohne Alkohol und ein kurzer Halt mit dem Auto. Das Risiko in den nächsten zwei Jahren war bei Menschen, die ab und zu einnickten, 2,6 Mal höher als bei jenen, denen das nie passierte. Bei jenen, die immer wieder einschliefen, war das Risiko sogar 4,5 Prozent höher. Das Risiko eines Herzanfalls oder eines Todes durch eine kardiovaskuläre Erkrankung war bei der ersten Gruppe 1,6 Prozent, bei der zweiten 2,6 Prozent höher. Die leitende Wissenschaftlerin Bernadette Boden-Albala betonte, dass es sich dabei um maßgebliche Zahlen handle. “Wir waren überrascht, dass die Auswirkungen so groß waren.”

Frühere Studien hatten laut BBC ergeben, dass Menschen die unter Schlaf-Apnoe leiden, über ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko verfügen. Es ist möglich, dass die Schläfrigkeit tagsüber ein Hinweis auf einen durch diese Krankheit bedingten schlechten Schlaf während der Nacht ist. Laut Boden-Albala mache der derzeitige Wissensstand es notwendig, dass Ärzte Schlafproblemen ihrer Patienten mehr Aufmerksamkeit schenkten. “Wenn Patienten tagsüber immer wieder einnicken, sollte man über eine genauere Untersuchung nachdenken.” Die Neurologin fügte hinzu, dass andere Studien ergeben hätten, dass diese Menschen nicht genug Schlaf bekämen und daher dauern müde seien. “Die entscheidende Frage ist aber: Was tun wir unseren Körpern an? Schläfrigkeit erhöht das Risiko eines Schlaganfalles offensichtlich.” Allein in Großbritannien erleiden jährlich rund 150.000 Menschen einen Schlaganfall.

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