Beiträge für Mai, 2008

30. Mai 2008

Histamin-Intoleranz: Mehr Information, neue Hoffnung für Betroffene

So stark die Fälle von Nahrungsmittelintoleranzen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, so wenig geklärt sind die Mechanismen, die dahinter stecken. Diese Lücke wollen nun die Gründer einer neuen Fachgesellschaft schließen: NutriDis, die Wissenschaftliche Gesellschaft zur Forschung und Weiterbildung im Bereich nahrungsmittelbedingter Intoleranzen, dient ab sofort dazu, Ärzte und Therapeuten zu schulen und neue Therapien zu erarbeiten. Aktuelles Thema: Histamin-Intoleranz. Gegen diese allgemein noch eher unbekannte, aber weit verbreitete Unverträglichkeit, ist seit kurzem auch ein Kraut gewachsen.

In der westlichen Welt leiden 10 bis 20 Prozent der Menschen an einer oder mehreren Nahrungsmittelintoleranzen: an Glutensensitivität, Histamin-Intoleranz, Fructose- oder Laktose-Unverträglichkeit. Alle vier gehören zu den Top-Themen in der Medizin - dennoch ist bis heute nicht vollkommen geklärt, wie Intoleranzen genau entstehen. Höchstwahrscheinlich werden sie durch veränderte Essgewohnheiten und industriell verarbeitete Nahrungsmittel gefördert; beteiligt sind mit großer Sicherheit auch Infektionen, Medikamente und Entzündungen, die die Darmflora schädigen.

An den vielen möglichen Quellen der Unverträglichkeiten setzen nun die Mitglieder der Gesellschaft NutriDis an: Sie werden die Mechanismen hinter den Intoleranzen grundlegend erforschen - und versuchen, neue Therapien zu entwickeln. Eine weitere Aufgabe ist die Schulung von Ärzten und Therapeuten: “Wir vermitteln Grundkenntnisse der Ernährungslehre, Immunologie und Allergologie, Gastroenterologie und Spezialkenntnisse in allen Bereichen der Nahrungsmittelintoleranzen”, erklärt NutriDis-Vorsitzender Dr. med. Markus Pfisterer, Arzt für Naturheilverfahren und Experte für Histamin-Intoleranz.

Histamin-Intoleranz - die Nahrungsmittelunverträglichkeit unserer Zeit
“Es muss nicht immer eine Allergie sein, wenn Nahrungsmittel nicht gut vertragen werden”, so Dr. Michael Wolzt, Facharzt für Innere Medizin. Zudem gibt es unterschiedliche Formen der Nahrungsmittelintoleranz: die Sensitivität oder Unverträglichkeit von Gluten (Klebereiweiß in Getreide), die Intoleranz gegenüber Fructose (Fruchtzucker) oder gegenüber Lactose (Milchzucker). Und es gibt eine weitere Unverträglichkeit: die gegen den Botenstoff Histamin. Bis zu dreißig Prozent der Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeit sind davon betroffen, die wenigsten sind sich allerdings dessen bewusst.
Normalerweise wird Histamin im Körper von Enzymen abgebaut - vor allem von der Diaminoxidase (DAO). Bei Histamin-Intoleranz fehlt dieses Enzym oder es ist in zu geringer Menge vorhanden. Isst der Betroffene histaminhaltige Lebensmittel oder histaminfreisetzende Lebensmittel wie Käse, Tomaten, Erdbeeren, Schokolade, Sauerkraut oder Rotwein, entwickelt er verschiedene allergie-ähnliche Symptome. Häufig entwickeln die Patienten Bauchschmerzen, Blähungen oder Kopfschmerzen, Juckreiz, geschwollene Augen, verstopfte oder laufende Nase, Menstruationsbeschwerden oder Herzrasen. All diese Symptome ähneln einer Allergie - mit dem Unterschied, dass das Immunsystem bei einer Unverträglichkeit nicht beteiligt ist.

Meist ist es schwierig, den Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und Beschwerden zu erkennen, denn Histamin ist in fast jeder Nahrungsmittelgruppe enthalten. Dazu kommt, dass der Histamingehalt je nach Reifung und Lagerung stark variieren kann. Während Parmesan A kaum Beschwerden macht, beschert Parmesan B große Probleme.

Neues Buch sorgt für Aufklärung
Das Anfang Juni neu erscheinende Buch “Gesund essen und trotzdem krank”, das u.a. von Wolzt erarbeitet und herausgegeben wird, soll über die verschiedenen Symptome, Diagnosen sowie mögliche therapeutische und präventive Maßnahmen aufklären und stellt das erste umfassende Werk dieser aktuellen Zivilisationserkrankung dar. (Genaue Buchinformation siehe unten)

Patienten unterversorgt
Oftmals kann es Monate dauern, bis der Arzt die Symptome richtig deutet: “Das Hauptproblem ist der eher geringe Bekanntheitsgrad auch in der Ärzteschaft”, sagt Dr.in Susanne Feigl von der Selbsthilfegruppe Laktose-, Histamin und Fruktoseunverträglichkeit. Dieser geringe Bekanntheitsgrad sei auch der Grund, warum viele Patienten nach der Diagnose nicht die richtige Therapie erhielten. Dazu komme, so Feigl, dass manche Ärzte die Diagnose bagatellisierten, obwohl der Leidensdruck für Betroffene sehr hoch sein kann. Allzu oft bedeutet die Histaminintoleranz Verzicht oder Einschränkung beim Essen und bewirkt dadurch eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Bewusstsein und Rücksichtnahme stehen daher ganz oben auf der Wunschliste der Betroffenen, sagt Feigls Kollegin Mag.a Barbara Krajasich. Ärzte aber auch Apotheker, sollten an die Möglichkeit einer Unverträglichkeit denken - auch bei der Empfehlung von Medikamenten. Ihren Wunschzettel hängt Krajasich auch an die Türen der Industrie: Die Hersteller könnten ihren Kunden entschieden mehr entgegenkommen - mit laktose- und fruktosefreien Produkten beispielsweise, mit histaminarmem Sekt oder laktosefreien Medikamenten.

Diätetische Behandlung gegen Histamin-Intoleranz
Hilfe für Betroffene und gleichzeitig Einsparungspotenzial für die Krankenkassen bietet sich endlich mit einer zielführenden diätetischen Behandlung mit DAOSiN; einem patentierten Produkt und dem weltweit einzigen diätetischen Lebensmittel zur Behandlung von Histaminintoleranz. Die in DAOSiN enthaltene Diaminoxidase entspricht dem körpereigenen Enzym DAO. Durch die Einnahme der Kapseln, unmittelbar vor dem Essen, lassen die Beschwerden merklich nach.

Das bestätigte kürzlich eine multizentrische Studie von Priv.-Doz. Dr. Peter Komericki von der Abteilung für Umweltdermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz. Demnach zeigte sich, so Komericki, “dass durch die orale Einnahme von Diaminoxidase eine Abschwächung von Beschwerden erzielt werden kann, die als möglicherweise Histamin-assoziiert bezeichnet werden können.”

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wellnes
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16. Mai 2008

Dünger für die Magenschleimhaut

Nitrate im Essen sind gut für den Magen. Das schließt der schwedische Mediziner Joel Petersson aus einer Reihe von Experimenten – und widerspricht damit der weit verbreiteten Ansicht, die stickstoffhaltigen Verbindungen würden Magen- und Darmkrebs fördern. Seinen Ergebnissen zufolge sorgen die Abbauprodukte der Salze vielmehr dafür, dass sich die Magenschleimhaut besser regenerieren kann und damit auch besser vor der Bildung von Geschwüren geschützt ist. Entscheidend für diesen Schutzeffekt seien vor allem die Bakterien, die die Mundhöhle besiedeln, und die Magensäure.

Nitrate dienen Pflanzen als Nährstoffe und werden daher häufig zusätzlich in Form von Dünger auf die Böden gegeben. Besonders nitrathaltig sind beispielsweise Salate, Radieschen, Rote Beete und Spinat. Während Nitrate selbst in den in Nahrungsmitteln zugelassenen Mengen ungiftig sind, gelten ihre Abbauprodukte – Nitrite und Nitrosamine – als gesundheitsschädlich beziehungsweise krebserregend.

Petersson glaubt auf Basis seiner Ergebnisse jedoch, dass der Konsum von Nitraten dem Magen eher nutzt als schadet. Wenn man nitratreiches Gemüse esse, werde das Nitrat mit dem Blut zu den Speicheldrüsen transportiert und im Speichel angereichert. Die Bakterien in der Mundhöhle zersetzen dieses Nitrat dann zu Nitrit, das beim Schlucken wieder in den Magen gerät. Dort reagiert es weiter zu Stickstoffmonoxid, einer Verbindung, die auch in anderen Bereichen des Körpers gebildet wird, deren Wirkung auf den Magen aber bislang unklar gewesen sei. Er und seine Kollegen hätten nun jedoch in Versuchen mit Ratten zeigen können, dass das Stickoxid die Verteidigungslinien der Magenschleimhaut stärkt.

Das geschieht auf zwei parallel verlaufenden Wegen, schreibt Petersson: Zum einen erweitert die Verbindung die Blutgefäße der Magenschleimhaut und zum anderen hilft sie, die Schleimbildung anzukurbeln. Bei den Ratten schützte nitratreiches Futter den Magen daher sowohl vor der Neubildung von Magengeschwüren als auch vor den kleineren Schäden, die durch die Einnahme vieler Schmerzmittel an der Magenschleimhaut entstehen. Die Voraussetzung sei allerdings gewesen, dass die Tiere eine intakte Mundflora gehabt hätten, gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Wurden sie vor dem Füttern mit einem antibakteriellen Mundwasser behandelt, habe der Schutzeffekt nicht eingesetzt. Er plädiert daher dafür, die Verwendung dieser Mundwasser einzuschränken, um dem Magen etwas Gutes zu tun.

Trotz der Hinweise auf positive Wirkungen von Nitrat sollte beim Konsum maßgehalten werden. Vor allem bei Säuglingen und Menschen mit eingeschränkt funktionierender Darmflora können die im Stoffwechsel entstehenden Nitrite und Nitrosamine gesundheitsgefährlich werden. Bei Säuglingen besteht zusätzlich noch die Gefahr einer Blausucht oder Zyanose, bei der der Sauerstofftransport in den roten Blutkörperchen irreversibel gestört wird.

Mitteilung der Universität Uppsala

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16. Mai 2008

Hepatitis C: Interferon-Wirkung in den Leberzellen bestimmt Therapieerfolg

Nur die Hälfte der Patienten mit chronischer Hepatitis C kann mit der heute üblichen Interferon-Therapie geheilt werden. Weshalb die Behandlung oft nicht wirksam ist, konnten nun Wissenschaftler der Universität Basel durch die Untersuchung von Gewebeproben nachweisen.
Ihre Forschungsresultate wurden von der US-Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ publiziert.

Die chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus ist eine der häufigsten Leberkrankheiten. In der Schweiz sind 50‘000 bis 70‘000 Personen mit dem Virus infiziert. Chronische Hepatitis C kann zu einer Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen. Zur Behandlung dieser Infektionskrankheit wird heute eine Kombination bestimmter Interferone (pegyliertes Interferon alpha, kurz „pegIFNalpha“) und Ribavirin, einer antiviralen Substanz, eingesetzt. Die Therapie dauert sechs bis zwölf Monate und ist für die Patienten wegen häufiger und teils schwerer Nebenwirkungen oft sehr belastend. Trotzdem wird nur etwa die Hälfte der Patienten geheilt.

Das Forscherteam des Universitätsspitals Basel und des Friedrich Miescher Instituts ist der Frage nachgegangen, wieso diese Behandlung häufig unwirksam bleibt. Die Studie wurde durch die aussergewöhnliche Bereitschaft von 16 Patienten ermöglicht, sich vier Stunden nach der ersten Injektion mit pegIFNalpha für Forschungszwecke einer Leberbiopsie zu unterziehen. Diese Gewebeentnahme erlaubte es den Forschern, die molekulare Wirkung von pegIFNalpha direkt in der Leber zu untersuchen.

Die Analyse der Organproben zeigte, dass bei vielen Patienten bereits vor der Therapie die Zielgene aktiviert sind, die durch die Interferone stimuliert werden sollen. Bei ihnen blieb eine nennenswerte Wirkung von pegIFNalpha in den Leberzellen aus. Im Verlauf der weiteren Therapie zeigte sich auch keine Wirkung auf das Virus, und die Patienten konnten nicht geheilt werden.

Im Gegensatz dazu zeigten die Patienten, die vor der Behandlung keine Aktivierung des körpereigenen Interferonsystems aufwiesen, eine starke Wirkung von pegIFNalpha mit einer Induktion von hunderten von Zielgenen. Die Therapie führte bei der überwiegenden Zahl dieser Patienten schon nach vier Wochen zu einer Elimination des Virus. Aus der Literatur ist bekannt, dass 85% solcher Patienten geheilt werden.

Wieso das körpereigene Interferonsystem bei fast der Hälfte der Patienten aktiviert wird, ist vollkommen unbekannt und wird ein wichtiges Thema zukünftiger Forschung sein. Ebenso unklar ist, wieso dieses aktivierte Interferonsystem die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus nicht eliminieren kann.

Diese Ergebnisse haben bedeutende Implikationen für die Behandlung von chronischer Hepatitis C. Erstens kann man sich vorstellen, den Aktivierungszustand des körpereigenen Interferonsystems in den Leberbiopsien zu bestimmen, die zur Diagnose routinemässig vor der Behandlung entnommen werden. Diese Informationen könnten Voraussagen über die Erfolgschancen der Therapie ermöglichen und für den Einsatz von neuen antiviralen Medikamenten eine wichtige Rolle spielen.

Zweitens zeigen die Resultate eine vielversprechende therapeutische Strategie auf: Sollte es gelingen, die Voraktivierung des körpereigenen Interferonsystems in der Leber rückgängig zu machen, könnten wahrscheinlich viel mehr Patienten mit pegIFNalpha geheilt werden. Bereits laufen Forschungsprojekte, welche die Ursachen der Voraktivierung und mögliche Gegenmassnahmen untersuchen.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Markus H. Heim, Leitender Arzt der Abteilung für
Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Basel, Tel.
+41 61 265 33 62, E-Mail: markus.heim@unibas.ch

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16. Mai 2008

Glutamat verursacht Zelltod und führt zum Hirnödem bei malignen Gliomen

Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg sind in der Erforschung von hirneigenen Tumoren einen entscheidenden Schritt vorangekommen: Die Neuroonkologische Arbeitsgruppe (Ansprechpartner: Dr. Ilker Eyüpoglu) der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr.
Michael Buchfelder) hat jetzt auf molekularer Ebene eine Ursache für Ödeme bei malignen Gliomen identifiziert.

Flüssigkeitsansammlungen in intaktem Körpergewebe, die von benachbarten, krankhaften Gewebeveränderungen verursacht sind, werden als perifokale Ödeme bezeichnet. Problematisch werden sie vor allem bei Hirntumoren. Dadurch kommt es unter anderem zu neurologischen Ausfällen.

Wie die Erlanger Forscher in der international renommierten Fachzeitschrift „Nature Medicine“ berichten, geben hirneigene Tumoren (Gliome) große Mengen des Neurotransmitters Glutamat ab. Dies führt zum Verlust von Nervenzellen im umliegenden Hirngewebe und reduziert die Überlebenszeit und die Lebensqualität des Patienten deutlich. Darüber hinaus ist die Ursache des Hirnödems bei hirneigenen Tumoren auf die Dysbalance an übermäßigem Glutamat zurückzuführen.

Auf das Überleben des Patienten haben diese Untersuchungen zunächst keinen unmittelbaren Einfluss; jedoch schaffen die Ergebnisse besseren Einblick in die Biologie dieses Tumors. Bis heute haben die therapeutischen Konzepte der letzten 40 Jahren keine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit oder gar Heilung gebracht. Das neue molekulare Verständnis eröffnet jedoch prinzipiell in den nächsten Jahren eine neue und eventuell effektivere therapeutische Option.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Neuroradiologischen Abteilung der Universität Erlangen-Nürnberg, dem Institut für Humangenetik in Köln und dem Institut für Hirnforschung in Zürich (Ansprechpartner: Priv.-Doz. Dr. N.E. Savaskan) und wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung mit Sitz in München unterstützt.

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16. Mai 2008

Neue Wege zur Osteoropose-Vorbeugung?

Das Hormon, das aus dem Knochen kam
Knochen können ihr eigenes Östrogen produzieren. Darauf deutet eine Laborstudie amerikanischer Forscher hin, nach deren Ergebnissen knochenbildende Zellen eine Substanz absondern, die ähnliche Eigenschaften besitzt wie das weibliche Geschlechtshormon Estradiol. Ansonsten wissen die Forscher bisher jedoch wenig über den noch namenslosen Stoff. Sollte sich allerdings bestätigen, dass er nicht nur im Labor, sondern auch im Körper selbst gebildet wird, könnte er eine attraktive Alternative für die Osteoporosevorbeugung sein, schreiben Thomas McCarthy und sein Team von der Yale-Universität. Die bisherigen Daten legten nämlich nahe, dass die Substanz den Knochen stärkt, jedoch weniger Nebenwirkungen hat als eine Hormonersatztherapie.

Wenn in den Wechseljahren die Östrogenproduktion im Körper zurückgeht, verändert sich der Stoffwechsel des Knochens: Der Aufbau der Knochensubstanz durch die knochenbildenden Zellen, die Zahl der Osteoblasten, verringert sich, während sich gleichzeitig der Knochenabbau verstärkt. Die Folge ist eine Schwächung der Knochenstruktur, die zu Osteoporose und damit einer Anfälligkeit für Brüche führen kann. Vorgebeugt werden kann diesen Problemen mit Hilfe einer Hormonersatztherapie, bei der entweder nur Östrogen oder eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verabreicht werden. Da diese Hormone jedoch nicht nur die Knochen, sondern auch diverse andere Organe beeinflussen, können sie zu unerwünschten Wirkungen führen – darunter ein erhöhtes Brustkrebsrisiko und ein Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die nun von den Forschern entdeckte Substanz scheint stärker auf den Knochen spezialisiert zu sein: Sie löse zwar viele, aber nicht alle der biochemischen Vorgänge aus, die das Estradiol kennzeichnen, schreibt das McCarthy und sein Team. Gefunden hatten sie die hormonähnliche Verbindung eher zufällig, als sie Osteoblasten von jungen Ratten im Labor beim Übergang von einem unspezialisierten in einen spezialisierten Zustand beobachteten. Eigentlich wollten sie dabei untersuchen, ob die Menge eines Östrogenrezeptors während dieser Verwandlung anstieg. Obwohl das nicht der Fall gewesen sei, erhöhte sich plötzlich überraschend die Aktivität dieser Detektormoleküle – so, als sei Estradiol hinzugefügt worden. Eine genauere Analyse zeigte, dass dieser Anstieg auf ein von den Knochenzellen selbst gebildetes Pendant des Hormons zurückgeführt werden konnte.

Das gleiche Phänomen konnten die Forscher auch in kultivierten menschlichen Zellen nachweisen. Wie genau die Struktur des Stoffes aussieht und welche Funktion er im Körper hat, wissen sie jedoch noch nicht. Sie vermuten allerdings, dass Schwankungen in der Produktion der Substanz die Ursache für Probleme mit der Knochenstabilität bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen könnten.

Thomas McCarthy (Yale-Universität) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 7022

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16. Mai 2008

Bluttest weist Dick- und Enddarmkrebs frühzeitig nach

Ein Forscherteam der Universität Bonn www.uni-bonn.de und der John-Hopkins-Universität hat einen neuen Bluttest entwickelt, der Tumore des Dick- und Enddarms schon im Frühstadium nachweisen kann. Der Test schlägt Alarm, wenn ein bestimmtes Protein im Blut der Patienten gehäuft vorkommt. Da Darmkrebserkrankungen in jüngster Zeit stark zunehmen, suchen Wissenschaftler nach einer kostengünstigen und effektiven Screening-Methode, berichtet das Wissenschaftsmagazin Journal of Cellular Biochemistry www.wiley.com.

Darmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Tumorerkrankung. Allein in Deutschland fordert die Krankheit Jahr für Jahr 30.000 Opfer. Experten gehen davon aus, dass eine rechtzeitige Diagnose die Opferzahlen um die Hälfte reduzieren könne. Der nun von den Forschern entwickelte Bluttest hat in den ersten Versuchen viel versprechende Wirkung gezeigt: Bei 27 Patienten mit Dickdarmkrebs lieferte er in 24 Fällen die korrekte Diagnose. In einer Studie an 127 Probanden ohne Tumorerkrankungen gab es 21 Falschmeldungen. Für einen Bluttest ist das Ergebnis nicht schlecht, meinen die Forscher. Im Vergleich dazu ist die Prostatakrebs-Diagnose anhand des PSA-Werts etwa weit unzuverlässiger. Der Bluttest richtet sich gegen ein Protein, das im Blut von Darmkrebs-Patienten gehäuft vorkommt und Dickdarmkrebs-spezifisches Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2) genannt wird.

“CCSA-2 scheint im Kern von Dickdarmzellen die Genaktivität zu regulieren. Auf welche Weise, wissen wir nicht”, meint die Bonner Privatdozentin Gisela Walgenbach-Brünagel, die den Tumormarker entdeckt hat. Die Testergebnisse wären jedenfalls vielversprechend. Der diagnostische Goldstandard ist und bleibe jedoch die Darmspiegelung. “Daran können und wollen wir nicht rütteln.” Bei dieser Methode - die auch Koloskopie genannt wird - wird ein schlauchförmiges Endoskop durch den After in den Körper geschoben. Mithilfe einer Kamera kann der Mediziner die Darmwand inspizieren. Einem geschulten Experten entgehe dabei kaum ein Tumor. “Doch viel zu wenige Menschen nehmen diese Möglichkeit wahr”, so die Chirurgin. Die Hemmschwelle vor einer Spiegelung, die ja mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist, sei einfach zu groß. Gerade bei den Darmkrebserkrankungen ist die Früherkennung besonders wichtig.

Die Mediziner hoffen nun, durch gleichzeitige Auswertung weiterer Marker sowohl die Empfindlichkeit als auch die Zuverlässigkeit des Tests steigern zu können. Ziel ist eine einfache und kostengünstige Screening-Methode, die sich in Vorsorge-Untersuchungen flächendeckend einsetzen lässt. Für ihre Arbeit im Bereich “Darmkrebsprävention und -früherkennung” ist die Wissenschaftlerin vor wenigen Wochen mit dem “Felix Burda Award” ausgezeichnet worden.

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