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28. November 2007

Prostatakrebs: Fettleibigkeit kann Testergebnisse verfälschen

Ärzte müssen das Gewicht eines Patienten berücksichtigen, wenn sie die Testergebnisse bei Prostatakrebs auswerten. Wissenschaftler des Duke Prostate Center www.dukehealth.org haben nachgewiesen, dass Fettleibigkeit die Ergebnisse verfälschen kann. Fettleibige Männer verfügen über mehr Blut. Aus diesem Grund kann die Konzentration der Antigene geringer sein, die als Marker für eine Erkrankung eingesetzt werden. Für die im Journal of the American Medical Association jama.ama-assn.org veröffentlichte Studie wurden die Daten von 14.000 Patienten ausgewertet. Dieser Forschungsansatz könnte erklären, warum stark übergewichtige Männer anscheinend an aggressiveren Krebsformen erkranken. Die Tumore dürften im Anfangsstadium einfach nicht festgestellt werden. Der PSA-Test für das prostataspezifische Antigen gilt als notorisch unzuverlässig. Rund ein Drittel der Männer mit erhöhten PSA-Werten werden nicht an Krebs erkranken. Trotzdem müssen sie umfangreiche Tests über sich ergehen lassen. Andererseits erkennt der Test laut Studie immer wieder eine Krebserkrankung nicht. Der Urologe Stephen Freedland erklärte, dass diese Forschungsergebnisse tatsächlich eine Begründung dafür liefern, warum fettleibige Männer dazu neigen niedrigere PSA-Werte zu haben als normalgewichtige. “Wird das Körpergewicht nicht berücksichtigt, übersehen wir vielleicht viele Krebserkrankungen.” Bei den dicksten Patienten lagen die PSA-Werte 21 Prozent unter jenen von normalgewichtigen. Allein in Großbritannien ist der Prostatakrebs für 13 Prozent der tödlichen Krebserkrankungen verantwortlich. Nach dem Lungenkrebs handelt es sich um die am häufigsten letale Krebserkrankung.
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26. November 2007

Kehlkopf- und Stimmgeschädigte: Die eigene Stimme aus dem Computer

Der Oldenburger Wissenschaftler Dr. Eduardo Mendel hat ein Softwareprogramm entwickelt, mit dessen Hilfe kehlkopf- bzw. stimmgeschädigte Patienten über den Computer mit ihrer Umgebung sprachlich kommunizieren können – wobei ihre eigene Stimme zu hören ist. Es begann alles vor sieben Jahren mit einem dramatischen Anruf. Ein naher Freund erzählte dem Physiker Dr. Eduardo Mendel von der Diagnose Kehlkopfkrebs und dass er in wenigen Tagen operiert werden müsse und seine Stimme verlieren werde. Nach dem ersten Schock zerbrach sich Mendel den Kopf darüber, ob nicht die Stimme seines Freundes auf irgendeine Weise zu „retten“ sei. Er war überzeugt, dass es heutzutage möglich sein müsse, die eigene Stimme aufzunehmen und damit anschließend ein Sprechprogramm zu „füttern“. Der promovierte Physiker, der seit vielen Jahren im Bereich der Theoretischen Physik der Universität Oldenburg geforscht und gelehrt hat und hier derzeit Lehrbeauftragter ist, recherchierte sowohl im Internet als auch bei einschlägigen Firmen und musste feststellen, dass es keine entsprechenden Computerprogramme gab. Es existieren zwar Sprechprogramme, allerdings werden diese immer von einer unpersönlichen bzw. Künstlichen Stimme gesprochen. In aller Eile machte der Oldenburger Wissenschaftler dann eine Reihe von Tonaufnahmen mit seinem Freund – ohne zu wissen, was er eigentlich genau benötigen würde. Danach begann die Arbeit. Der jetzt 54-jährige Physiker musste sich in ein ihm bis dahin weitgehend unbekanntes Wissensgebiet einarbeiten: die Phonetik (Lautlehre) der deutschen Sprache. „Das war eine sehr, sehr mühselige Arbeit, da die deutsche Aussprache nicht eindeutig mit der Schreibweise übereinstimmt.“ Es half, dass er durch seine Studien in Chile, USA, Kanada und Israel mehrere Sprachen, unter anderem Spanisch beherrscht, in der die Schrift eindeutig phonetisch ist. Das andere große Problem neben der Phonetik war die Entwicklung eines Softwareprogramms, mit dem aus einem Fundus an Lauten und Silben neue Wörter und Sätze gebildet werden können. Nach fünfjähriger Entwicklungsarbeit war Mendel am Ziel: Er hatte sein Verfahren zur Reife gebracht und gründete daraufhin seine Firma, um es für Patienten zugänglich zu machen. Das Verfahren funktioniert so: Am Anfang steht die Sprachaufnahme bei Patienten, bei denen ein Stimmverlust droht. Mendel: „Es ist äußerst wichtig, dass die Patienten von dieser Möglichkeit früh erfahren, damit ihre Stimme noch gut klingt.“ Hauptsächlich handelt es sich um Menschen, die an Kehlkopfkrebs oder der neurologischen Krankheit ALS erkrankt sind. Die Patienten müssen eine Wortliste vorlesen, die mehrere tausend Silben und alle Phoneme beinhaltet, was rund drei Stunden dauert. Sobald der Patient seine digital gespeicherte Stimme benötigt, wird das „Sprachmaterial“ von Mendel und seinen Mitarbeitern ins individuelle Sprechprogramm „Meine-eigene-Stimme“ integriert und dem Patienten zugeschickt. Diese zweite Phase nimmt 60 bis 70 Arbeitsstunden in Anspruch. Nach der Installation des Programms auf seinem Computer kann dann der von Stimmverlust betroffene Patient Sätze eingeben, die anschließend von seiner „eigenen Stimme“ gesprochen werden. Zwar ist die Sprache aus dem Computer nicht völlig identisch mit der „lebendigen“ Sprache, da das Programm nicht ganze Satzmelodien nachbilden kann, allerdings ist der Klang völlig natürlich und in seiner Individualität eindeutig erkennbar. Inzwischen haben Mendel und seine Mitarbeiter für rund 50 Patienten ein angepasstes Softwareprogramm erstellt. „Wir haben bei weiteren 50 Patienten Sprachaufnahmen gemacht“, so Mendel, „aber glücklicherweise benötigen diese Patienten das Programm bislang noch nicht.“ In diesem Jahr ist das Verfahren in das Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen aufgenommen worden. „Das ist natürlich ein großer Erfolg“, so Mendel, „andererseits ist die Bewilligungspraxis der einzelnen Kassen sehr unterschiedlich, und manchmal entscheidet sogar dieselbe Kasse von Fall zu Fall unterschiedlich.“ Dass das Programm, das 3.200 Euro kostet, abgelehnt wird, weil es teurer als die Sprechprogramme mit unpersönlichen Stimmen ist, mag Mendel nicht gelten lassen. „Gerade die eigene Stimme gehört zu den zentralen Dimensionen unserer Persönlichkeit“, sagt der Oldenburger Wissenschaftler. „Es ist wunderbar, auf diese Weise Menschen helfen zu können“, so Mendel, der von sehr positiven Rückmeldungen der Patienten berichtet. „Ich würde mir nur wünschen, dass die betroffenen Menschen sich früher bei uns melden. Oft können die Patienten kaum noch sprechen, wenn wir zu ihnen kommen.“ Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Patienten die Stimme eines nahen Verwandten aufnehmen lassen, falls die eigene Stimme schon zu sehr beeinträchtigt ist. Für Patienten, die außerdem noch in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, funktioniert das Sprechprogramm in Kombination mit Eingabehilfen wie Bildschirmtastatur, Stirn- und Augensteuerung. Und der Freund mit dem Kehlkopfkrebs? „Dem geht es relativ gut“, erzählt Mendel, „aber mit dem heutigen ausgereiften Programm hätte ich ihm viel besser helfen können.“ Kontakt: Dr. Eduardo Mendel, E-Mail: mendel@uni-oldenburg.de, Tel. 0441/72261
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22. November 2007

Migräne: Hormone und Stress sind die häufigsten Auslöser

Drei von vier Migränepatienten können sogenannte Triggerfaktoren benennen, die Auslöser für ihre Kopfschmerzattacken sind. Das zeigt eine große amerikanische Studie. „Stress und Hormonschwankungen spielen eine besondere Rolle“, kommentieren die Kopfschmerzexperten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in den „Kopfschmerz-News“, dem Mitgliederorgan der Fachgesellschaft. Das letzte Geschenk muss noch schnell verpackt werden, das Festessen schmort im Rohr, doch als alles auf dem Tisch steht, bringt der „gute Tropfen“ das Fass zum Überlaufen: eine Migräneattacke an Weihnachten. Dies können Migränepatienten vermeiden, wenn sie die Faktoren, die ihre Anfälle auslösen, kennen und beachten. Ob Stresssituationen, Wetterwechsel oder Alkoholgenuss: Viele Einflussgrößen können im Einzelfall eine Rolle spielen. Bei einer aktuellen Untersuchung im „Headache Center of Atlanta“ konnten drei Viertel der behandelten Migränepatienten durchschnittlich sechs bis sieben Triggerfaktoren benennen, so das Ergebnis der unlängst im Fachjournal „Cephalalgia“ publizierten amerikanischen Studie. Die US-Wissenschaftler werteten die Daten von 1750 Migränepatienten aus, 84 Prozent davon waren Frauen. 1207 Patienten konnten in die Studie einbezogen werden. Das Ergebnis: 76 Prozent der Patienten berichteten, dass ihre Attacken von Triggerfaktoren ausgelöst werden. Bei 40 Prozent ist dies gelegentlich der Fall, bei 27 Prozent häufig und bei 9 Prozent sehr häufig. Die Mehrzahl der Befragten benannte vier bis neun Auslöser. Bei manchen Patienten reicht eine Stresssituation aus, um eine Migräneattacke auszulösen, bei anderen kommt diese nur zustande, wenn Änderungen im Schlaf- Wachrhythmus, Alkoholgenuss oder ein Wetterwechsel zusammentreffen. Mit Abstand die häufigsten Migräneauslöser sind Stress und – bei Frauen – Hormonschwankungen. In der Gruppe der Patienten, bei denen die Migräneattacken nur gelegentlich getriggert sind, gaben 80 Prozent Stress an. Auf Platz 2 landeten mit 65 Prozent die Hormonschwankungen, gefolgt von Hunger (57 Prozent), Wetterwechsel (53 Prozent) und Wechseln des Schlaf- Wachrhythmus (50 Prozent). Bei jenen Patienten, deren Migräneattacken sehr häufig von Triggerfaktoren ausgelöst werden, sind Stress und – bei Frauen – Hormonschwankungen ebenfalls mit deutlichem Abstand die häufigsten Migräne-Auslöser: ein Drittel aller Patientinnen benannte Hormonschwankungen als Trigger, jeder vierte Patient nannte Stress. Die übrigen Faktoren erreichten kaum über zehn Prozent. „Obwohl bei dieser Studie nur Patienten eines speziellen Kopfschmerzzentrums berücksichtigt wurden, deckt sich die Reihenfolge der Triggerfaktoren weitgehend mit den vorliegenden bevölkerungsbezogenen Daten“, kommentieren die Experten der DMKG. Tagebuch hilft Trigger finden. Nicht alle Migränepatienten kennen ihre Trigger. Die Studie zeigte indes, dass 95 von 100 Migränepatienten solche Auslöser erkennen, wenn man ihnen eine Liste mit vorgegebenen Triggerfaktoren anbietet. Die Migräneexperten empfehlen den Patienten daher, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, in das sie alle Auffälligkeiten und Hinweise auf mögliche Einflussfaktoren eintragen. Sind die Triggerfaktoren einmal erkannt, können einige vermieden oder verhaltenstherapeutisch angegangen werden. Quelle: Kelman L. The triggers or precipitants of the acute migraine attack. Cephalalgia 2007;27:394-402
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