27. June 2008

Ein Gerät soll bei Migräne helfen

Ein tragbares Magnetstimulationsgerät soll in Zukunft helfen, Migräneattacken zu bekämpfen: Sobald Patienten eine einsetzende Migräne verspüren, pressen sie das Instrument mit beiden Händen gegen den Kopf. Über Magnetimpulse beeinflusst das Gerät die Gehirnströme, so dass der Kopfschmerz abflaut oder erst gar nicht eintritt, berichtet der Mediziner Yousef Mohammad von der Staatsuniversität von Ohio in Columbus. Erste Erfolge hat der Mediziner bei Patienten erzielt, die als Vorstufe der Migräneattacke eine sogenannte Aura durchmachen: Das Sehvermögen ist gestört, sie sehen Sternchen und fühlen sich geschwächt.

Die Forscher um Mohammad behandelten 164 Patienten mit ihrem Gerät. Dieses erzeugt innerhalb einer kleinen elektrischen Spule ein Magnetfeld, das den Kopf durchdringt und im Gehirn elektrische Ströme erzeugt. Diese Ströme sollen die Auraphase bei Migränepatienten, die oft als Elektrogewitter im Gehirn bezeichnet wird, unterbrechen, bevor die eigentlichen pochenden Kopfschmerzen einsetzen. 39 Prozent der Patienten waren zwei Stunden nach der Magnetimpulsbehandlung noch kopfschmerzfrei. In einer Kontrollgruppe, bei denen die Behandlung nur vorgetäuscht wurde, fühlten sich nur 22 Prozent beschwerdefrei.

Der Mediziner Mohammad, der auch den kalifornischen Hersteller des Geräts berät, sieht in dem Ergebnis die Wirksamkeit des Therapieansatzes mit Magnetfeldimpulsen bestätigt. Die Methode sei im Unterschied zu medikamentösen Behandlungen der Migräne frei von Nebenwirkungen, betont der Forscher. Bislang hat Mohammad das Gerät nur bei Migräne mit Aura eingesetzt, die etwa 15 Prozent der Migränepatienten heimsucht. In weiteren Studien sollen die Wirksamkeit auch bei der häufigeren Migräne ohne Aura überprüft werden. Insgesamt sind von der oft in unerträgliche, pochende Kopfschmerzen mündenden Migräne rund sechs Prozent aller Männer und zwölf Prozent der Frauen betroffen.

Yousef Mohammad (Ohio State University, Columbus): Beitrag auf dem Jahrestreffen der amerikanischen Kopfschmerzgesellschaft, Boston

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26. June 2008

DEGUM: Schlaganfall frühzeitig mit Ultraschall erkennen

Jährlich erleiden etwa 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Mehr als ein Drittel der Betroffenen stirbt daran. Viele Schlaganfälle ließen sich vermeiden, wenn Ärzte verengte Halsarterien rechtzeitig erkennen würden. Eine Ultraschalluntersuchung macht dies möglich – ohne Nebenwirkungen. Anhand der Bilder kann ein qualifizierter Arzt entscheiden, ob eine Operation nötig ist oder nicht. Wie sicher und schonend hochwertige sonografische Gefäßdiagnostik ist, erörtern Experten auf einem Pressegespräch der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) am 3. Juli 2008 in Hamburg.

Die Ursache für einen Schlaganfall liegt in etwa 60 Prozent der Fälle außerhalb des Kopfes, an den Halsarterien oder am Herzen. Verengte Blutgefäße behindern dort den Blutfluss. „Mit Ultraschall können wir den Stenosegrad der Halsarterie bestimmen, also erkennen, wie stark das Gefäß bereits verengt ist“, erläutert Professor Dr. Med. Christian Arning, Chefarzt der Abteilung für Neurologie an der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek. Wird eine Verengung nachgewiesen, kann der Verlauf der Erkrankung regelmäßig kontrolliert und schnell reagiert werden.

„Das Verfahren ist nicht nur ungefährlich, kostengünstig und sehr aussagekräftig, sondern auch beliebig oft wiederholbar“, sagt Professor Arning, Vizepräsident der DEGUM. Menschen mit erhöhtem Gefäßrisiko – etwa Diabetiker, Hochdruckpatienten oder mit familiärer Veranlagung zum Schlaganfall – sollten deshalb regelmäßig auf verengte Halsarterien untersucht werden. Die Untersuchung sollte durch einen mit dieser Methode erfahrenen Arzt erfolgen, damit keine Fehlbefunde entstehen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Auf der Homepage der DEGUM () sind erfahrene Ärztinnen und Ärzte aufgeführt, die ihre Qualifikation durch eine freiwillige Prüfung nachgewiesen haben.

Zur Behandlung von Verengungen der Halsarterie reichen meist Medikamente aus. Wenn die Erkrankung allerdings fortgeschritten ist und sich zudem schnell verschlechtert, droht ein Schlaganfall. Dann ist eine Operation notwendig oder das Einsetzen eines, das Gefäß stabilisierenden Drahtröhrchens, einem Stent. Im Rahmen des Pressegespräches in Hamburg wird Professor Arning gemeinsam mit weiteren Experten die Vorteile und neuesten Verfahren des Gefäßultraschalls vorstellen.

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26. June 2008

Heilpilze beruhigen Reizmagen und Reizdarm

Wenn wir sagen “das ist mir auf den Magen geschlagen”, kann das mehrere Ursachen haben: falsche Ernährung, zu viel Alkohol, hektische Mahlzeiten, zu wenig Bewegung, Stress, Mineralienmangel, Ärger und vieles mehr können das ansonsten sehr anpassungsfähige Organ schädigen.

Das eigenständige und hoch organisierte Nervennetz rund um Magen und Darm spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Erkrankungen. Der Darm ist von mehr als 100 Millionen Nervenzellen umhüllt. Beteiligt ist bei allen Darmstörungen auch das autonome Nervensystem, besonders der Anteil des Parasympathikus.

So erklärt es sich, dass Stress sich als Reizmagen oder Reizdarm bemerkbar machen kann. Hier ist der Glänzende Lackporling (Reishi) das Mittel der Wahl. Er wirkt entspannend und ausgleichend. Das im Pilz enthaltene Adenosin wirkt beruhigend, entspannend auf die Muskulatur und hat so eine dem Neurotransmitter Azetylcholin entgegengesetzte Wirkung. Die Erregungsübertragung zwischen Nerv und Kontraktion der glatten Muskulatur wird herab gesetzt. Außerdem hilft der Reishi Pilz mit seinem hohen Gehalt an Triterpenen, die bei Stress vermehrte Histaminausschüttung zu regulieren. Durch die Inhaltsstoffe des Igelstachelbart (Hericium erinaceus) wird die Regeneration der Magen- und Darmschleimhaut angeregt.

Untersuchungen am Food Research Institute in Prag zeigten, dass der Austernpilz (Pleurotus ostreatus) das Wachstum probiotischer Bakterien unterstützt. Die Produktion von Laktobazillen, Enterokokken und Bifidobakterien wurde erhöht. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Darmflora und das im Darm befindliche Immunsystem aus.

Gastritis und Ulcus werden verursacht durch Autoimmunprozesse, Bakterien (Helicobacter Pylori), Medikamente und Stress. Hier liegt ein Missverhältnis von schleimhautschützenden (Schleim, Bikarbonat, Prostaglandin) und aggressiven Faktoren (Magensäure, Proteasen und entzündliche Reaktionen) vor.

Hier gilt wie bei allen Entzündungen: Die im Reishi enthaltenen Triterpene (zyklische Kohlenwasserstoffe) verbessern die Funktion der Nebennierenrinde und wirken somit antientzündlich. Bei Entzündungsprozessen und Stress kommt es zu vermehrter Histaminausschüttung. Auch zahlreiche Arzneimittel können den Histaminspiegel erhöhen. Dazu zählen unter anderem Acetylsalicylsäure und Alkohol. Die Triterpene des Reishi wirken hemmend auf eine überhöhte Freisetzung des Histamin im Körper. Generell wirken Heilpilze ausgleichend und regulierend.

Der Körper produziert bei Entzündung und Gewebeverletzung den Nervenwachstumsfaktor, der auch durch die im Hericium enthaltenen Erinacine stimuliert wird. Italienischen Wissenschaftlern ist es mithilfe des Nervenwachstumsfaktors NGF gelungen, bei Magen- und Augengeschwüren einen Heilungsprozess herbeizuführen. Deshalb ist eine Kombination von Reishi und Hericium hier angezeigt. Zusätzlich kann die Gabe von Auricularia empfohlen werden, der die Schleimhäute befeuchtet und somit schützt.

Sodbrennen, Reflux und Reizmagen sind eng miteinander verbunden. Schauplatz des Sodbrennens ist die Speiseröhre. Die Hauptaufgabe der Speiseröhre ist der Transport der Speise vom Mund in den Magen. Oben verschließt der Kehlkopf die Speiseröhre, nach unten ist sie durch einen Schließmuskel (sog. Unterer Ösophagussphincter) zum Magen hin verschlossen. Jeder Rückfluss von Mageninhalt in Richtung Speiseröhre wird als Reflux bezeichnet. Wenn der Mageninhalt durch zu viel Säure aggressiv die Schleimhaut der Speiseröhre schädigt, entsteht ein brennendes Gefühl - das Sodbrennen.

Durch seine Inhaltsstoffe baut der Hericium die Schleimhäute wieder auf. Um den Entzündungen entgegenzuwirken, wird der Reishi zusätzlich empfohlen. Beide Pilze sind reich an Aminosäuren. Bei Entzündungen, Infekten und vielen anderen Krankheiten können nämlich die Konzentrationen der Aminosäuren verändert sein. Hier kommt auch die adaptogen Wirkung der Heilpilze zum Zuge.

Die Verstopfung kann vielerlei Ursachen haben. Erfahrungsgemäß hat sich der Schopftintling (Coprinus comatus) bei Verstopfung als abführend erwiesen. Bei Verstopfung durch Trockenheit befeuchtet der TCM zufolge der Heilpilz Judasohr (Auricularia) die Schleimhäute, stärkt sie somit und löst Verstopfung, die durch Trockenheit ausgelöst ist. Auf eine ausreichende Trinkmenge ist zu achten!!

Durchfall ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Er ist gekennzeichnet durch mehr als 3 breiige Stuhlgänge täglich. So kann Durchfall auch durch histaminreiche Nahrungsmittel oder Stress begründet sein. Auf jeden Fall können hier die Triterpene des Reishi ansetzen und hemmend auf die Freisetzung des Histamin im Körper wirken. Durchfall kann Folge von Hitze sein; laut TCM leitet der Reishi diese Hitze aus. Erfahrungsgemäß hat der Maitake bei länger anhaltenden Durchfällen eine stopfende Wirkung bewiesen.

Zu den wichtigsten Formen der Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) gehören die Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Die Darmschleimhaut ist dabei chronisch entzündet. Wegen der antientzündlichen und Schleimhaut schützenden Wirkungen gibt man die Pilze Hericium und Reishi auch zwischen den Schüben.

Bei Erkrankungen von Colon und Rektum sind häufig die Wasserrückresorption, der Elektrolythaushalt und die Motilität betroffen. Deshalb gehen sie oft mit Durchfällen oder Obstipation einher. Ist der Stuhl zu wässrig, hat sich die Kombination Hericium, Reishi und Maitake bewährt. Bei zu fester Stuhlkonsistenz wird der Hericium zusammen mit dem Reishi und Auricularia empfohlen.

Heilpilze regulieren entzündliche Prozesse und Stress bedingte Entgleisungen. Sie sollten so lange eingenommen werden, bis der Körper die Eigenregulation wieder selbst vornehmen kann. Eine gesunde Lebensführung mit ausreichender Bewegung, Zufuhr von Ballaststoffen und genügender Flüssigkeitszufuhr ist dabei wichtig!

Kontakt:
MykoTroph AG
Institut für Ernährungs- und Pilzheilkunde
Wernher-von-Braun-Strasse 2-4
D-63694 Limeshain

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26. June 2008

Wie man den Jojo-Effekt austrickst

Das Satthormon Leptin ist einer der Hauptverantwortlichen für den lästigen Jojo-Effekt nach Diäten, haben US-Forscher gezeigt: Wenn sein Spiegel bei einer Gewichtsabnahme parallel zum Verschwinden der Fettdepots sinkt, reagiert das Gehirn darauf, indem es sowohl das Hungergefühl steigert als auch den Energieverbrauch des Stoffwechsels senkt. Die Folge: Der Betroffene isst mehr und nimmt praktisch sofort wieder zu. Wird der Leptin-Spiegel jedoch künstlich auf dem Level gehalten, auf dem er vor der Gewichtsabnahme war, normalisiert sich die Gehirnaktivität wieder, und das reduzierte Gewicht kann leichter gehalten werden. Leptin könnte demnach also doch für eine Therapie gegen Fettleibigkeit eingesetzt werden, wenn auch nicht, wie eine Zeitlang angenommen, als Allzweckwaffe fürs Abnehmen.

Leptin, das von Fettzellen produziert wird, hat seit seiner Entdeckung im Jahr 1994 eine wechselhafte Karriere hinter sich. Zuerst vermuteten Forscher, es würde ganz allgemein Hungergefühle im Gehirn unterdrücken, was sofort die Vision einer Hormonpille gegen Übergewicht heraufbeschwor. Dann stellte sich jedoch heraus, dass bei Übergewichtigen im Allgemeinen kein Leptinmangel, sondern vielmehr ein Leptinüberschuss festzustellen war – ihr Gehirn reagiert einfach weniger empfindlich auf die abwechselnd als Hunger-, Satt- oder Appetithormon bezeichnete Substanz. Die Folge: Die Idee von der Hormonpille verpuffte.

Mittlerweile ist klar: Die Funktion von Leptin ist komplexer als ursprünglich angenommen. Sinkt sein Spiegel ab, ist das für die Steuerzentralen des Gehirns ein Signal für Energiemangel, und sie passen den Stoffwechsel und den Drang zum Essen entsprechend an. Das konnten Michael Rosenbaum und sein Team nun in ihrer Studie auch mit Hirnscans belegen. Dazu hatten sie Übergewichtige so ernährt, dass diese etwa zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren, und ihre Hirnaktivität vorher und nachher verglichen. Sahen die Probanden vor dem Abnehmen Bilder von Nahrungsmitteln, leuchtete in ihren Gehirnen ein bestimmtes Muster von Arealen auf. Nach dem Abnehmen veränderte sich dieses Muster drastisch – es sei denn, den Patienten war regelmäßig Leptin gespritzt worden: In diesen Fällen kehrte die Hirnaktivität auf ihr Ausgangsniveau zurück.

Die Leptinspritzen unterbanden also genau die Reaktionen des Gehirns, die es so schwer machen, das Gewicht zu halten – wie etwa das verstärkte Hungergefühl, schreiben die Forscher. Demnach könnte eine Leptintherapie möglicherweise wirklich dem Jojo-Effekt vorbeugen, der bei 75 bis 95 Prozent aller ehemals Fettleibigen nach einer Diät auftritt. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Leptin wohl tatsächlich ein Mittel ist, mit dem der Körper sich vor dem Verlust seiner Energiereserven, des Körperfetts, zu schützen versucht.

Michael Rosenbaum (Columbia University, New York) et al.: Journal of Clinical Investigation, DOI: 10.1172/JCI35055

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26. June 2008

Krebsforschung: Angriffspunkt gegen Metastasenbildung

Die meisten krebsbedingten Todesfälle sind auf Metastasen zurückzuführen, selbst nach zunächst erfolgreicher Entfernung des so genannten Primärtumors. Die Vorhersage des weiteren Verlaufs der Erkrankung und die Entscheidung über die medikamentöse Therapie richten sich gegenwärtig nach der anatomischen Ausbreitung des Primärtumors und im Zeitalter molekularerer Therapien zunehmend auch nach dessen genetischer Beschaffenheit. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universitätsklinika Regensburg, Düsseldorf, Hamburg-Eppendorf und dem Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried legt nun nahe, dass dies möglicherweise nicht ausreicht.
Bessere Therapieergebnisse könnten erreicht werden, wenn die genetische Beschaffenheit von Vorläuferzellen späterer Metastasen ebenfalls untersucht würde.

In der Mai-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Cancer Cell“ berichteten die Forscher über die Ergebnisse ihrer Studie, in der das Erbgut von Vorläuferzellen späterer Metastasen bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs analysiert wurde. Der allgemeinen Annahme nach sollten sich die Vorläuferzellen der Metastasen und ihre Primärtumore genetisch ähneln, da die Metastasierung als spätes Ereignis in der Krebsentwicklung verstanden wird. Auf diese Annahme verlassen sich auch die diagnostischen Tests an Primärtumoren, um bestimmen zu können, ob und welche Therapien zur Unterdrückung der Metastasenentstehung für die Patienten geeignet sind. Jedoch zeigen nun die Daten der neuen Studie, dass sich die Vorläuferzellen der Metastasen genetisch von ihren Primärtumoren wesentlich unterscheiden.Dieser Befund weist auf eine im Krankheitsverlauf sehr frühe Tumorzellstreuung hin, mit erhebliche Folgen für die Therapie.

So konnten die Wissenschaftler nur auf Grund der genauen Analyse der bereits gestreuten metastatischen Vorläuferzellen eine für Ösophaguskarzinome neue therapeutische Angriffsmöglichkeit entdecken. Diese wäre durch die alleinige Analyse von Primärtumorgewebe nicht aufgefallen.

Die Daten der Studie legen nahe, dass bei bestimmten Formen des sehr aggressiven Speiseröhrenkrebses beispielsweise das Medikament Trastuzumab, unter dem Namen Herceptin bekannt und seit 2006 in Europa für die Brustkrebstherapie zugelassen, eine sinnvolle Behandlungsoption für einige der betroffenen Patienten sein könnte. Angriffspunkt für den Wirkstoff ist das Onko-Gen HER2 in der Tumorzelle, das bei vielen Krebsarten durch bestimmte Veränderungen zu einem wichtigen krebsfördernden Gen werden kann.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass Marker zur Prognose des Erkrankungsverlaufs und Angriffspunkte einer zielgerichteten Therapie direkt an den Vorläuferzellen der Metastasen in Lymphknoten oder Knochenmark identifiziert werden können. Die Leiter der Studie, Nikolas Stoecklein und Christoph Klein, stellen nicht die Bedeutung des Primärtumors zur Abschätzung von Therapie und Krankheitsverlauf in Frage, betonen aber, dass Patienten von der direkten Analyse der metastatischen Vorlauferzellen profitieren können. Da diese Zellen das eigentliche Ziel der gegen die Metastasen gerichteten medikamentösen Therapien sind, dürfte deren Analyse letztlich zu therapeutisch bedeutsamen Entscheidungen führen. Weiterhin sprechen sich die Autoren dafür aus, die evolutionäre Dynamik der Tumorzellstreuung in weiteren klinischen Studien zu untersuchen, um mehr Informationen über die Prävention tödlicher Metastasenbildung zu erhalten.

Kontakt: Dr. Nikolas Stoecklein, Chirurgische Forschung, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Universitätsklinikum Düsseldorf, E-mail: nikolas.stoecklein@uni-duesseldorf.de, Prof. Christoph Klein, Institut für Pathologie, Abteilung für Onkogenomik, Universität Regensburg, E-mail: christoph.klein@klinik.uni-regensburg.de

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26. June 2008

Gute Heilungschancen und geringe Nebenwirkungen: Prostatakrebs zunehmend bestrahlen

Das Prostatakarzinom ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Nach Angaben des Robert-Koch- Institutes diagnostizieren Ärzte jährlich fast 50 000 Neuerkrankungen.
Noch vor wenigen Jahren galt es als einzige erfolgversprechende Ersttherapie, die Vorsteherdrüse zu entfernen. Heute steht zunehmend die Strahlentherapie als Alternative – vor allem bei älteren Patienten zur Verfügung. Darauf weisen Ergebnisse, die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) vorgestellt wurden, hin. So kann bei Patienten in Frühstadien und mit guten Prognosefaktoren bei bis zu 90 Prozent der Tumor mit einer hochdosierten Strahlentherapie dauerhaft kontrolliert werden. Für den vermehrten Einsatz der Strahlentherapie sprechen nicht nur die guten Erfolgsaussichten, sondern auch die geringere Rate an Komplikationen und Nebenwirkungen. Impotenz und Inkontinenz – häufige Folgen einer Operation – bleiben so vielen Patienten erspart.

„Dass die Strahlentherapie heutzutage so erfolgreich eingesetzt werden kann, ist vor allem den großen Fortschritten im Bereich der bildgebenden Verfahren in Kombination mit den modernen Bestrahlungsgeräten zu verdanken“, erklärt Professor Dr. Med. Volker Budach, Präsident der DEGRO. Mithilfe hochpräziser Aufnahmen unmittelbar vor der Bestrahlung lässt sich das Bestrahlungsfeld viel genauer darstellen und eingrenzen als noch vor wenigen Jahren. Die Strahlen erreichen ausschließlich ihr Ziel – den Tumor. Umliegendes Gewebe bleibt weitgehend verschont. Auf diese Weise steigt mit der Strahlendosis nicht auch das Risiko, gesundes Gewebe zu schädigen. „Eine Dosissteigerung vergrößert die Chancen auf einen Therapieerfolg deutlich – das haben zahlreiche Studien belegt“, erläutert Budach.
„Während die Strahlentherapie früher häufig erst nach einer Operation der Prostata zum Einsatz kam, kann sie diese heutzutage in vielen Fällen ersetzen. Dies ist vor allem bei älteren Patienten mit auf die Prostata begrenzten Tumoren der Fall.“

Neben der Bestrahlung von außen hat sich zudem eine sehr wirkungsvolle und schonende Form der „internen Bestrahlung“ - die sogenannte interstitielle Brachytherapie – etabliert. Hier kommen zwei verschiedene Methoden zum Einsatz: Bei der Seed-Applikation werden radioaktiv geladene Metallstifte dauerhaft in die Prostata eingesetzt. Dort geben diese Seeds über mehrere Tage punktgenau ihre Strahlung ab. Bei der Hochdosis-Brachytherapie dagegen schiebt der behandelnde Arzt unter Bildkontrolle Hohlnadeln in die Vorsteherdrüse und markiert damit die zu bestrahlenden Stellen. Die eigentliche Therapie erfolgt dann computergesteuert: Die Strahlenquelle fährt jede einzelne Nadel ab und gibt dabei eine zuvor berechnete Strahlendosis an den Tumor ab.

„Bei Tumoren, die lokal auf die Prostata begrenzt sind, erzielen wir sowohl mit der externen Strahlentherapie als auch mit der Brachytherapie sehr gute Ergebnisse. Die Erfolgsquote von 90 Prozent bei Frühstadien dieser Krebserkrankung entspricht der einer operativen Entfernung der Vorsteherdrüse“, berichtet Budach. Hinzu kommt, dass Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen, seltener vorkommen als bei einer Operation.
Budach fordert deshalb ein Umdenken in der Prostatatherapie: „Heutzutage muss nicht mehr jeder Mann mit einem Prostatakarzinom operiert werden. Die Therapieentscheidung sollte vielmehr interdisziplinär und nach dem individuellen Risikoprofil der Krebserkrankung sowie nach umfassender Aufklärung des Betroffenen über alle zur Verfügung stehenden Alternativen getroffen werden.“

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